Warum kostet ein Website-Relaunch Rankings?
Google bewertet keine Websites als Ganzes, sondern einzelne URLs. Jede Adresse Ihrer alten Website hat über Jahre Signale gesammelt: Links von anderen Websites, interne Verlinkung, Klickverhalten in den Suchergebnissen, einen festen Platz im Index. Ein Relaunch stellt diese Signale an vielen Stellen gleichzeitig in Frage. Rankingverluste entstehen deshalb fast nie durch das neue Design selbst, sondern durch vier Mechanismen, die sich gegenseitig verstärken.
1. URLs ändern sich
Aus /leistungen/cnc-fraesen.html wird /cnc-fraesen/. Für Menschen ist das dieselbe Seite, für Google ist es eine neue, unbekannte Adresse. Ohne 301-Weiterleitung liefert die alte URL einen 404-Fehler, die gesammelten Signale verfallen, und die neue Seite beginnt bei null. Bei einem CMS-Wechsel ändern sich oft hunderte URLs auf einmal, ohne dass es jemand bewusst entschieden hätte.
2. Inhalte fallen weg
Im Relaunch werden Texte gekürzt, „damit es luftiger wirkt“. Alte Referenzseiten, FAQ-Bereiche, technische Datenblätter oder Fachartikel werden gestrichen, weil sie niemand im Projektteam für wichtig hält. Genau diese Seiten bringen aber oft still und zuverlässig Besucher über spezifische Suchanfragen. Wenn der Inhalt fehlt, hilft auch die beste Weiterleitung nicht: Google leitet Signale nur dann sinnvoll weiter, wenn das Ziel die Frage des Suchenden ebenso gut beantwortet.
3. Die interne Verlinkung verschiebt sich
Eine neue Navigation, ein schlankeres Menü, eine Seite, die plötzlich drei Klicks tiefer liegt: Interne Links sagen Google, welche Seiten Ihnen wichtig sind. Verändert sich diese Struktur, verändert sich auch die Gewichtung. Seiten, die nach dem Relaunch von keiner anderen Seite mehr verlinkt werden, verlieren besonders schnell.
4. Die Technik ist neu
Neues System, neue Vorlagen, neue Fehlerquellen: Titel und Meta-Beschreibungen werden automatisch generiert statt übernommen, Canonical-Tags zeigen auf die Testumgebung, ein vergessenes noindex sperrt die ganze Website, Inhalte werden erst per JavaScript nachgeladen, strukturierte Daten fehlen, die Ladezeit steigt durch große Bilder und Videos.
Die Grundregel für jeden Relaunch: Alles, was Google an der alten Website kannte und belohnt hat, muss auf der neuen Website entweder unverändert vorhanden sein oder per 301 auf einen gleichwertigen Ersatz zeigen. Jede Ausnahme davon ist eine bewusste Entscheidung, keine Nebenwirkung.
Wichtig zur Einordnung: Kurze Schwankungen in den ersten Wochen sind normal, weil Google die neuen URLs erst crawlen und die Signale übertragen muss. Ein dauerhafter Einbruch ist dagegen fast immer ein Planungsfehler und damit vermeidbar. Wenn Sie den Relaunch gerade erst aufsetzen und noch über Ziele, Budget und Struktur entscheiden, lesen Sie zuerst unseren Leitfaden zur Planung einer neuen Firmenwebsite. Die folgende Checkliste setzt dort an, wo es um den Erhalt Ihrer Sichtbarkeit geht.
Phase 1: Was müssen Sie vor dem Relaunch sichern?
Bevor auch nur eine Vorlage gebaut wird, brauchen Sie eine vollständige Bestandsaufnahme der alten Website. Sie ist die Grundlage für alles Weitere: für das URL-Mapping, für die Tests am Launch-Tag und für den Vergleich danach. Was Sie jetzt nicht sichern, ist nach dem Umschalten oft nicht mehr rekonstruierbar.
Crawl der alten Website
Lassen Sie die komplette alte Website mit einem Crawler wie Screaming Frog SEO Spider erfassen (die kostenlose Version reicht für bis zu 500 URLs, darüber brauchen Sie eine Lizenz). Exportieren Sie mindestens: URL, Statuscode, Title, Meta-Description, H1, Canonical, Indexierbarkeit, Anzahl interner Links auf die Seite und Wortzahl. Speichern Sie zusätzlich die Liste aller PDFs und Bilder, denn auch Dateien können ranken und Links haben.
Ein Crawl findet nur, was verlinkt ist. Ergänzen Sie deshalb die URL-Liste aus der XML-Sitemap der alten Website und aus der Search Console, damit auch verwaiste Seiten und alte Landingpages aus Kampagnen auftauchen.
Export aus der Google Search Console
Öffnen Sie in der Search Console den Bericht „Leistung“, stellen Sie den maximalen Zeitraum von 16 Monaten ein und exportieren Sie die Tabs „Seiten“ und „Suchanfragen“ mit Klicks, Impressionen, CTR und Position. Diese Liste zeigt Ihnen schwarz auf weiß, welche URLs tatsächlich Besucher bringen. Sie ist wichtiger als jede Meinung im Projektteam. Exportieren Sie außerdem den Bericht „Links“, insbesondere die Ansicht der am häufigsten extern verlinkten Seiten. Falls die Search Console noch nicht eingerichtet ist, holen Sie das sofort nach: Die Anleitung zum Einrichten der Google Search Console zeigt die Schritte. Daten liegen allerdings erst ab dem Zeitpunkt der Einrichtung vor, also zählt jeder Tag.
Backlink-Ziele
Externe Links sind das wertvollste Kapital einer alten Website, und sie zeigen auf konkrete URLs. Notieren Sie jede URL, die Links von außen erhält, auch wenn sie selbst kaum Besucher hat. Neben der Search Console liefern Werkzeuge wie Ahrefs, Sistrix oder Semrush ergänzende Daten. Jede dieser URLs muss im Mapping zwingend ein Ziel bekommen.
Startwerte festhalten
Ohne Ausgangswerte können Sie nach dem Launch nicht unterscheiden, ob eine Delle normal oder gefährlich ist. Halten Sie mindestens diese Werte mit Datum fest:
| Kennzahl | Quelle | Warum sie zählt |
|---|---|---|
| Klicks und Impressionen pro Woche (organisch) | Search Console, Leistung | Hauptvergleich nach dem Launch |
| Anzahl indexierter Seiten | Search Console, Seitenindexierung | Zeigt, ob Google die neue Struktur aufnimmt |
| Positionen für 20 bis 50 Kern-Suchbegriffe | Search Console oder Ranking-Tool | Frühwarnsystem für wichtige Themen |
| Top-Landingpages mit Anfragen | Google Analytics 4 oder anderes Tracking | Verbindet Sichtbarkeit mit Umsatz |
| Anfragen und Conversions pro Monat | Tracking, CRM, Posteingang | Die Zahl, die die Geschäftsführung interessiert |
| Core Web Vitals und Ladezeit der Top-Seiten | PageSpeed Insights, Search Console | Prüft, ob die neue Technik schneller oder langsamer ist |
Checkliste Phase 1
- Vollständiger Crawl der alten Website exportiert (HTML-Seiten, PDFs, Bilder)
- URLs aus alter XML-Sitemap und Search Console ergänzt
- Search-Console-Export „Seiten“ und „Suchanfragen“ über 16 Monate gesichert
- Liste aller extern verlinkten URLs erstellt
- Startwerte mit Datum dokumentiert
- Komplettes Backup der alten Website inklusive Datenbank und Medien archiviert
- Titles, Meta-Descriptions und strukturierte Daten der Top-Seiten gesichert
Phase 2: Wie planen Sie das URL-Mapping von alt zu neu?
Das URL-Mapping ist das wichtigste Dokument Ihres Relaunchs. Es ist eine Tabelle, in der jede alte URL einer Entscheidung und einem Ziel zugeordnet wird. Keine alte URL mit Klicks, Impressionen oder Backlinks darf ohne Zeile bleiben. Bestehen Sie darauf, dass dieses Dokument existiert, bevor die Entwicklung der neuen Seiten beginnt, nicht erst eine Woche vor dem Launch.
So sieht ein URL-Mapping aus
| Alte URL | Klicks 16 Monate (Beispiel) | Backlinks | Entscheidung | Neue URL |
|---|---|---|---|---|
| /leistungen/cnc-fraesen.html | hoch | ja | Behalten, Text übernehmen und ergänzen | /cnc-fraesen/ |
| /leistungen/drehen.html | mittel | nein | Behalten | /cnc-drehen/ |
| /news/2019-messe-stuttgart.html | keine | nein | Streichen, kein Ersatz | 410 |
| /werkstoffe/aluminium.html und /werkstoffe/edelstahl.html | gering | ja | Zusammenlegen | /werkstoffe/ |
| /downloads/datenblatt-5achs.pdf | mittel | ja | Behalten, Datei unter neuem Pfad | /downloads/datenblatt-5-achs-fraesen.pdf |
| /karriere/stellen.php?id=12 | gering | nein | Weiterleiten auf Übersicht | /karriere/ |
Ergänzen Sie in der Praxis Spalten für die Verantwortlichen, den Status („umgesetzt“, „getestet“) und Bemerkungen zum Inhalt. Eine geteilte Tabelle in Excel oder Google Sheets genügt völlig.
Behalten, zusammenlegen oder streichen?
Für jede alte Seite treffen Sie eine von vier Entscheidungen. Die folgende Matrix hilft dabei:
| Situation der alten Seite | Entscheidung | Technische Umsetzung |
|---|---|---|
| Bringt Klicks oder Anfragen, Thema bleibt relevant | Behalten, Inhalt mindestens gleichwertig übernehmen | 301 auf neue URL, möglichst gleiche URL behalten |
| Mehrere schwache Seiten zum selben Thema | Zusammenlegen zu einer starken Seite | Alle alten URLs per 301 auf die neue Sammelseite |
| Thema veraltet, aber Backlinks oder Restverkehr | Streichen mit thematisch passendem Ersatz | 301 auf die nächstverwandte Seite |
| Kein Verkehr, keine Links, kein Nutzen | Ersatzlos streichen | 410 oder 404, nicht auf die Startseite leiten |
Regeln für saubere Weiterleitungen
- Eins zu eins vor pauschal. Jede wichtige alte URL zeigt auf ihr inhaltliches Gegenstück. Massenweiterleitungen auf die Startseite behandelt Google in der Regel wie einen Soft-404, die Signale gehen verloren.
- Keine Ketten. Wenn es bereits Weiterleitungen aus einem früheren Relaunch gibt, zeigen auch diese direkt auf das neue Ziel, nicht über eine Zwischenstation.
- Immer 301, nicht 302. Eine 302 signalisiert eine vorübergehende Änderung. Viele Systeme setzen standardmäßig 302, lassen Sie das prüfen.
- URLs nur ändern, wenn es einen Grund gibt. Die beste Weiterleitung ist die, die man nicht braucht. Wenn die alte URL-Struktur sauber ist, behalten Sie sie.
- Inhalte der Top-Seiten nicht verschlechtern. Title, H1 und die zentralen Textpassagen der Seiten mit den meisten Klicks werden bewusst übernommen oder verbessert, nicht neu erfunden.
- Interne Links auf neue URLs. Die neue Website verlinkt intern direkt auf die neuen Adressen, nicht auf alte, die erst weiterleiten.
Checkliste Phase 2
- Jede alte URL mit Klicks, Impressionen oder Backlinks hat eine Zeile im Mapping
- Für jede Zeile ist eine Entscheidung getroffen und ein Ziel eingetragen
- Top-20-Seiten nach Klicks: Inhalt, Title und H1 bewusst übernommen
- Bestehende Altweiterleitungen auf neue Ziele aktualisiert
- Canonical-Logik für die neue Website festgelegt (siehe Canonical Tags richtig setzen)
- Interne Verlinkung der neuen Website so geplant, dass jede wichtige Seite erreichbar ist
- Weiterleitungsregeln vorab in der Testumgebung eingerichtet
Phase 3: Was ist am Launch-Tag zu tun?
Der Launch-Tag entscheidet, ob die Vorbereitung wirkt. Planen Sie ihn auf einen Dienstag oder Mittwoch am Vormittag, nicht auf einen Freitagnachmittag und nicht vor Feiertagen. Es müssen sowohl die Entwicklung als auch jemand mit SEO-Verantwortung erreichbar sein. Arbeiten Sie die Schritte in dieser Reihenfolge ab:
- Testumgebung entsperren für die Live-Version. Die Staging-Seite war zu Recht gesperrt. Prüfen Sie jetzt, dass auf der Live-Domain nichts davon übrig ist: kein
Disallow: /in der robots.txt, kein<meta name="robots" content="noindex">im Quelltext und keinX-Robots-Tag: noindexim HTTP-Header. Der letzte Punkt wird oft übersehen, weil er im Quelltext nicht sichtbar ist. Details zur Konfiguration finden Sie im Ratgeber robots.txt richtig konfigurieren. - Weiterleitungen testen. Laden Sie die Liste aller alten URLs aus dem Mapping in den Listenmodus Ihres Crawlers. Jede Zeile muss genau einen 301 liefern, und das Ziel muss mit Status 200 antworten. Alles andere (404, 302, Kette, Schleife, Ziel ist die Startseite) wird sofort korrigiert.
- Domain-Varianten prüfen. http und https, mit und ohne www: Drei der vier Varianten leiten per 301 auf die eine kanonische Version, in einem Schritt.
- Canonicals und interne Links prüfen. Ein Crawl der neuen Website zeigt, ob Canonical-Tags, hreflang und interne Links auf die Live-Domain zeigen und nicht auf die Staging-Adresse.
- XML-Sitemap einreichen. Die neue Sitemap enthält ausschließlich finale, indexierbare URLs mit Status 200. Reichen Sie sie in der Search Console ein. Was dabei wirklich zählt, erklärt der Ratgeber XML-Sitemap erstellen.
- Search Console als Domain-Property. Eine Domain-Property wird per DNS-Eintrag bestätigt und erfasst alle Protokolle und Subdomains gemeinsam. So sehen Sie auch Fehler auf Varianten, die Sie nicht auf dem Schirm hatten. Bestehende Properties bleiben erhalten, damit die historischen Daten zugänglich sind.
- Top-Seiten per URL-Prüfung anstoßen. Prüfen Sie in der Search Console die zehn bis zwanzig wichtigsten neuen URLs mit dem URL-Prüftool und beantragen Sie die Indexierung. Das beschleunigt die Aufnahme der zentralen Seiten.
- Tracking prüfen. Das Analytics-Tag ist auf allen Vorlagen eingebunden, Formular-Conversions werden ausgelöst, der Consent-Banner funktioniert und blockiert nicht dauerhaft die Messung. Senden Sie eine Testanfrage über jedes Formular und prüfen Sie, ob sie ankommt.
- Bing Webmaster Tools. Sitemap auch dort einreichen. Bing ist unter anderem für Microsoft Copilot eine wichtige Datenquelle, und die Einrichtung ist schnell erledigt.
Ein Hinweis zur Testumgebung: Sichern Sie die Staging-Seite während des Projekts mit einem Passwortschutz, nicht nur mit noindex. Dann kann sie weder versehentlich indexiert werden, noch muss am Launch-Tag eine Sperre entfernt werden, die im Live-System eine Katastrophe wäre.
Checkliste Launch-Tag
- robots.txt der Live-Domain geprüft, kein pauschales Disallow
- Kein noindex im Quelltext oder HTTP-Header
- Alle alten URLs liefern 301 auf ein Ziel mit Status 200
- http, https, www und ohne www leiten sauber auf eine Version
- Canonicals, hreflang und interne Links zeigen auf die Live-Domain
- Neue XML-Sitemap in Search Console und Bing Webmaster Tools eingereicht
- Domain-Property in der Search Console bestätigt
- Indexierung der Top-Seiten über die URL-Prüfung beantragt
- Tracking, Conversions und Formulare mit echten Tests geprüft
- Staging-Umgebung weiterhin passwortgeschützt
Phase 4: Wie überwachen Sie die ersten 30 und 90 Tage?
Nach dem Launch beginnt die Phase, die in den meisten Projekten fehlt, weil die Agentur das Projekt bereits abgerechnet hat. Dabei werden genau hier die Fehler sichtbar, die beim Testen durchgerutscht sind. Planen Sie feste Termine ein: in der ersten Woche täglich, bis Tag 30 wöchentlich, bis Tag 90 alle zwei Wochen.
Welche Berichte, welche Warnsignale, was tun
| Bericht | Worauf Sie achten | Warnsignal | Was tun |
|---|---|---|---|
| Search Console, Seitenindexierung | Zahl indexierter Seiten, Gründe für Nicht-Indexierung | „Nicht gefunden (404)“ oder „Durch noindex-Tag ausgeschlossen“ steigt deutlich | Betroffene URLs exportieren, fehlende Weiterleitungen ergänzen, noindex entfernen |
| Search Console, Leistung | Klicks und Impressionen im Vergleich zum Vorzeitraum | Nach drei bis vier Wochen kein Erholungstrend | Verluste auf URL-Ebene vergleichen: Welche alte Seite hat verloren, und was ist ihr neues Ziel? |
| Search Console, Leistung nach Suchanfragen | Positionen der Kern-Suchbegriffe | Einzelne wichtige Begriffe fallen deutlich und bleiben unten | Zielseite mit alter Version vergleichen: Fehlt Text, hat sich der Title verändert, ist die Seite schlechter verlinkt? |
| Search Console, Crawling-Statistiken | Antwortcodes und Antwortzeit | Viele 5xx-Fehler oder stark steigende Antwortzeit | Server, Hosting und Caching mit der Entwicklung prüfen |
| Search Console, Core Web Vitals | URLs mit „Schlecht“ oder „Verbesserung erforderlich“ | Mehr schlechte URLs als vor dem Relaunch | Vorlagen gezielt optimieren, siehe Core Web Vitals optimieren |
| Analytics und Posteingang | Organische Sitzungen und Anfragen | Sichtbarkeit stabil, aber Anfragen brechen ein | Formulare, Tracking und Kontaktwege prüfen, der Fehler liegt oft nicht bei Google |
Was in den ersten 30 Tagen normal ist
In den ersten Tagen und Wochen tauchen alte und neue URLs teilweise parallel in den Suchergebnissen auf, Positionen schwanken, und im Indexierungsbericht erscheinen alte URLs als „Seite mit Weiterleitung“. Das ist der gewünschte Zustand: Google hat die Weiterleitung erkannt. Ein leichter Rückgang mit anschließender Erholung ist bei korrekt umgesetzten Relaunches üblich. Beunruhigend ist ein Einbruch, der sich auf bestimmte Seitentypen oder Themen konzentriert, denn er deutet auf eine systematische Ursache.
Was zwischen Tag 30 und Tag 90 passiert
In dieser Phase sollten die Werte das Ausgangsniveau wieder erreicht haben, bei inhaltlich verbesserten Seiten auch übertreffen. Vergleichen Sie jetzt nicht mehr nur Gesamtzahlen, sondern die Top-50-URLs einzeln mit ihrem Gegenstück aus der Zeit vor dem Relaunch. Jede Seite, die mehr als nur leicht verloren hat, bekommt eine Ursachenanalyse. Typische Funde: ein gestrichener Textabschnitt, der genau die Suchanfrage beantwortete, eine Seite ohne interne Links, ein Title, den das CMS automatisch verkürzt.
Wie lange Weiterleitungen bestehen bleiben
Google empfiehlt in der Dokumentation zu Website-Umzügen, Weiterleitungen mindestens ein Jahr bestehen zu lassen. In der Praxis gibt es keinen Grund, sie je zu entfernen: Alte Links in Branchenverzeichnissen, PDFs, E-Mail-Signaturen und Lesezeichen funktionieren nur, solange die Weiterleitung existiert. Legen Sie die Weiterleitungsliste deshalb so ab, dass sie auch einen späteren Hosting- oder Agenturwechsel übersteht.
Checkliste nach dem Launch
- Woche 1: täglich Indexierungsbericht, 404-Fehler und Formulare prüfen
- Woche 1: Crawl der Live-Website auf defekte interne Links und Weiterleitungsketten
- Bis Tag 30: wöchentlich Klicks, Impressionen und Kernbegriffe gegen Startwerte vergleichen
- Tag 30: Bericht an Geschäftsführung mit Vergleich zu Startwerten
- Bis Tag 90: Top-50-URLs einzeln mit Vorzeitraum vergleichen, Ursachen klären
- Tag 90: Abschlussbericht, offene Punkte als Aufgaben übergeben
- Weiterleitungsliste dauerhaft dokumentiert und gesichert
Sonderfälle: Domainwechsel, CMS-Wechsel, Zusammenlegung und Mehrsprachigkeit
Einige Relaunches verändern mehr als Design und Struktur. Jeder dieser Sonderfälle bringt eigene Risiken mit, die über die Standard-Checkliste hinausgehen.
Domainwechsel
Ein Wechsel der Domain, etwa nach einer Umfirmierung, ist der riskanteste Relaunch-Typ, weil sämtliche URLs gleichzeitig neu sind. Bestätigen Sie alte und neue Domain in der Search Console und nutzen Sie nach dem Launch das Tool zur Adressänderung. Es funktioniert nur, wenn die 301-Weiterleitungen von der alten Domain bereits aktiv sind. Behalten Sie die alte Domain dauerhaft registriert, sonst laufen alle Weiterleitungen ins Leere. Bitten Sie außerdem die wichtigsten verlinkenden Websites, ihre Links auf die neue Domain zu aktualisieren. Wenn möglich, trennen Sie Domainwechsel und Redesign zeitlich, dann können Sie Probleme eindeutig zuordnen.
Wechsel des CMS
Beim Umstieg etwa von einem älteren System auf WordPress oder ein Headless-CMS ändern sich URL-Muster oft unbemerkt: Endungen wie .html oder .php fallen weg, ein Schrägstrich am Ende kommt hinzu, Großbuchstaben werden zu Kleinbuchstaben, Bilder liegen unter neuen Pfaden. Zusätzlich erzeugen viele Systeme automatisch Archivseiten, Schlagwortseiten oder Paginierungen, die vorher nicht existierten und den Index verwässern. Lassen Sie diese Seiten bewusst auf noindex setzen oder deaktivieren. Wird die neue Website per JavaScript gerendert, prüfen Sie mit dem URL-Prüftool, ob Google den Inhalt tatsächlich sieht. Der Ratgeber JavaScript SEO beschreibt die typischen Fallen.
Zusammenlegen mehrerer Websites
Wenn Produktmarken-Websites, Microsites oder die Seite eines übernommenen Unternehmens in die Hauptwebsite integriert werden, braucht jede einzelne Quelle ein eigenes, vollständiges Mapping. Der häufigste Fehler ist eine pauschale Weiterleitung der gesamten Nebendomain auf die Startseite der Hauptwebsite. Damit gehen genau die Rankings verloren, die die Nebenseite wertvoll gemacht haben. Legen Sie stattdessen für die starken Themen der alten Website eigene Unterseiten an und leiten Sie die alten URLs dorthin.
Mehrsprachigkeit
Bei mehrsprachigen Websites wird das Mapping pro Sprachversion erstellt, nicht nur für Deutsch. Prüfen Sie, dass hreflang-Angaben nach dem Launch auf die neuen URLs zeigen, gegenseitig bestätigt sind und eine x-default-Version definieren. Vermeiden Sie automatische Weiterleitungen nach IP-Adresse oder Browsersprache, weil Googlebot sonst nicht alle Versionen erreicht. Für Websites mit Varianten für Deutschland, Österreich und die Schweiz finden Sie die Details im Ratgeber hreflang für DACH richtig auszeichnen.
| Sonderfall | Hauptrisiko | Wichtigste Zusatzmaßnahme |
|---|---|---|
| Domainwechsel | Alle URLs gleichzeitig neu, alte Domain läuft aus | Adressänderungstool, alte Domain dauerhaft halten |
| CMS-Wechsel | Unbemerkt geänderte URL-Muster, neue Archivseiten | URL-Muster abgleichen, automatische Seiten kontrollieren |
| Zusammenlegung | Pauschale Weiterleitung auf die Startseite | Eigenes Mapping je Quelle, Themen als Unterseiten übernehmen |
| Mehrsprachigkeit | Defekte hreflang-Bezüge, Sprachversionen ohne Mapping | Mapping pro Sprache, hreflang nach Launch crawlen |
Welche typischen Fehler kosten beim Relaunch die meisten Rankings?
Die folgenden Fehler tauchen in Relaunch-Projekten immer wieder auf. Keiner davon ist technisch kompliziert, alle entstehen durch fehlende Zuständigkeit.
| Fehler | Folge | So vermeiden Sie ihn |
|---|---|---|
| Kein URL-Mapping, „die Weiterleitungen machen wir am Ende“ | Hunderte 404-Fehler, verlorene Backlinks, Rankings fallen über Wochen | Mapping als Pflichtdokument vor der Entwicklung |
| noindex aus der Testumgebung bleibt aktiv | Die Website verschwindet nach und nach komplett aus Google | Prüfpunkt am Launch-Tag, Staging per Passwort sichern |
| Alle alten URLs auf die Startseite geleitet | Google behandelt das als Soft-404, Signale gehen verloren | Eins-zu-eins-Weiterleitungen auf inhaltliche Gegenstücke |
| 302 statt 301 | Signale werden nicht zuverlässig übertragen, alte URLs bleiben länger im Index | Statuscodes im Listenmodus des Crawlers prüfen |
| Texte der Top-Seiten stark gekürzt | Seite rankt für Long-Tail-Begriffe nicht mehr | Top-20-Seiten inhaltlich mindestens gleichwertig übernehmen |
| Titles vom CMS automatisch erzeugt | Weniger Klicks trotz gleicher Position | Titles der Top-Seiten manuell übernehmen und pflegen |
| Canonicals zeigen auf die Staging-Domain | Google ignoriert die Live-Seiten oder indexiert falsche Versionen | Crawl der Live-Website direkt nach dem Launch |
| Tracking nicht migriert | Keine Daten zum Vergleich, Probleme fallen erst Monate später auf | Testanfragen und Echtzeitbericht am Launch-Tag |
| Weiterleitungen bei späterem Hosting-Wechsel verloren | Alte Backlinks laufen plötzlich ins Leere | Weiterleitungsliste dauerhaft dokumentieren und übergeben |
Welche Fragen sollten Sie Ihrer Agentur vor dem Relaunch stellen?
Viele Webdesign-Agenturen liefern hervorragende Gestaltung, betrachten SEO aber als Thema nach dem Launch. Sie müssen die Arbeit nicht selbst machen, aber Sie sollten wissen, wer sie macht. Stellen Sie diese Fragen schriftlich und lassen Sie sich die Antworten konkret geben:
- Wer erstellt das URL-Mapping, und wann liegt es vor? Gute Antwort: eine benannte Person, ein Termin vor Beginn der Entwicklung.
- Auf welcher Datengrundlage entscheiden Sie, welche Inhalte wegfallen? Gute Antwort: Search-Console-Daten, Backlinks und Analytics, nicht Geschmack.
- Wie wird die Testumgebung gegen Indexierung geschützt? Gute Antwort: Passwortschutz.
- Welche Weiterleitungen werden wo eingerichtet, und mit welchem Statuscode? Gute Antwort: 301, serverseitig oder im CMS, mit Testprotokoll.
- Wie werden Titles, Meta-Descriptions und strukturierte Daten übernommen? Gute Antwort: für Top-Seiten manuell, für den Rest mit sinnvoller Vorlage.
- Wer ist am Launch-Tag und in den ersten zwei Wochen erreichbar? Gute Antwort: Namen und Zeitfenster.
- Ist das Monitoring der ersten 90 Tage Teil des Angebots? Gute Antwort: ja, mit Bericht zu Tag 30 und Tag 90.
- Wie schnell ist die neue Website im Vergleich zur alten? Gute Antwort: gemessene Werte aus PageSpeed Insights für die wichtigsten Vorlagen.
Wenn die Agentur auf mehrere dieser Fragen keine Antwort hat, ist das kein Grund zur Trennung, aber ein klares Signal, dass Sie für diesen Teil eine zusätzliche Verantwortung benötigen, intern oder extern.
Fahrplan: Wie sieht ein Relaunch ohne Rankingverlust zeitlich aus?
Der folgende Fahrplan zeigt die SEO-relevanten Schritte im Verhältnis zum Launch-Termin. Er ersetzt nicht Ihren Projektplan, sondern läuft parallel zu Konzeption, Design und Entwicklung. Für mittelgroße Websites mit einigen hundert URLs ist er realistisch, bei sehr großen Websites verlängern sich die Phasen 1 und 2.
| Zeitpunkt | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| 8 bis 10 Wochen vor Launch | Crawl, Search-Console-Export, Backlink-Liste, Startwerte | Vollständige Bestandsaufnahme |
| 6 bis 8 Wochen vor Launch | Inhaltsentscheidungen: behalten, zusammenlegen, streichen | Freigegebene Inhaltsliste |
| 4 bis 6 Wochen vor Launch | URL-Mapping fertigstellen, neue URL-Struktur festlegen | Freigegebenes Mapping |
| 2 bis 4 Wochen vor Launch | Inhalte der Top-Seiten migrieren, Titles und Metadaten pflegen, Weiterleitungen auf Staging einrichten | Inhaltlich vollständige Testumgebung |
| 1 Woche vor Launch | Testcrawl der Staging-Seite, Weiterleitungstest, Ladezeit messen, Launch-Checkliste verteilen | Go oder No-Go |
| Launch-Tag | Checkliste Phase 3 vollständig abarbeiten | Live-Website ohne technische Sperren |
| Tag 1 bis 7 | Tägliches Monitoring, 404-Fehler sofort beheben | Keine offenen kritischen Fehler |
| Tag 30 | Vergleich mit Startwerten, Bericht | Klarer Status: stabil oder Handlungsbedarf |
| Tag 90 | Seitenweise Analyse der Top-50-URLs, Abschlussbericht | Relaunch abgeschlossen, Maßnahmenliste |
Ein häufiger Planungsfehler ist ein fixer Launch-Termin, der wegen einer Messe oder eines Firmenjubiläums nicht verschoben werden darf. Wenn eine Woche vor dem Termin das Mapping nicht vollständig ist, ist ein späterer Launch fast immer günstiger als monatelanger Sichtbarkeitsverlust.
Die Website-Relaunch-Checkliste zum Ausdrucken
Diese kompakte Fassung fasst alle Phasen zusammen. Drucken Sie sie aus und haken Sie ab, gemeinsam mit Ihrer Agentur.
Vorher sichern
- ☐ Crawl der alten Website inklusive PDFs und Bilder
- ☐ Search Console: Seiten und Suchanfragen über 16 Monate exportiert
- ☐ Liste aller extern verlinkten URLs
- ☐ Startwerte dokumentiert: Klicks, Indexierung, Kernbegriffe, Anfragen, Ladezeit
- ☐ Backup der alten Website archiviert
Planen
- ☐ URL-Mapping für jede relevante alte URL
- ☐ Entscheidung je Seite: behalten, zusammenlegen, ersetzen, streichen
- ☐ Top-20-Seiten inhaltlich gleichwertig übernommen
- ☐ Nur 301, keine Ketten, keine Pauschalweiterleitung auf die Startseite
- ☐ Staging per Passwort geschützt
Launch-Tag
- ☐ robots.txt ohne pauschales Disallow
- ☐ Kein noindex in Quelltext oder Header
- ☐ Weiterleitungen im Listenmodus getestet
- ☐ Domain-Varianten leiten auf eine Version
- ☐ Canonicals und hreflang auf Live-Domain
- ☐ Sitemap eingereicht, Domain-Property bestätigt
- ☐ Tracking und Formulare getestet
Danach
- ☐ Woche 1 täglich: Indexierung, 404, Formulare
- ☐ Bis Tag 30 wöchentlich: Vergleich mit Startwerten
- ☐ Tag 90: Top-50-URLs einzeln ausgewertet
- ☐ Weiterleitungen dauerhaft dokumentiert
Ein Relaunch ist die seltene Gelegenheit, Struktur, Inhalte und Technik gleichzeitig zu verbessern. Mit dieser Checkliste wird aus dem Risiko eine Chance, weil Sie wissen, was Sie behalten müssen und wo Sie gewinnen können. Wenn Sie den Relaunch mit einem Team planen möchten, das Gestaltung und Sichtbarkeit von Anfang an zusammen denkt, finden Sie unseren Ansatz auf der Seite Webdesign.