Website & Kosten

Webdesign-Angebot prüfen: 12 Fragen vor der Unterschrift

Sie haben zwei bis vier Angebote für Ihre neue Website auf dem Tisch, und die Summen liegen weit auseinander. Bevor Sie Webdesign-Angebote vergleichen, lohnt sich ein genauer Blick darauf, was jeweils gemeint ist, denn hinter ähnlichen Überschriften stecken oft völlig verschiedene Projekte. Dieser Ratgeber gibt Ihnen zwölf Fragen, mit denen Sie jedes Angebot prüfen, eine Vergleichstabelle zum Ausfüllen, Formulierungen für Rückfragen ohne Feilschen, die wichtigsten Warnsignale und eine Checkliste für die Unterschrift. Am Ende wissen Sie, welches Angebot zu Ihrem Vorhaben passt und warum, statt nur, welches das günstigste ist.
B

Kuratiert von

Organic Growth Strategist, Muria Agency
15 Min Lesezeit ·
Inhaltsverzeichnis
  1. Warum sind Webdesign-Angebote so unterschiedlich?
  2. Wie machen Sie Webdesign-Angebote vergleichbar?
  3. Webdesign-Angebot prüfen: welche 12 Fragen gehören vor die Unterschrift?
  4. Vergleichstabelle: Webdesign-Angebote nebeneinander bewerten
  5. Wie fragen Sie bei der Agentur nach, ohne zu feilschen?
  6. Welche roten Flaggen sollten Sie bei einem Webdesign-Angebot ernst nehmen?
  7. Welche Fehler passieren beim Vergleich von Webdesign-Angeboten am häufigsten?
  8. Fahrplan: in drei Wochen von mehreren Angeboten zur Entscheidung
  9. Checkliste vor der Unterschrift

Warum sind Webdesign-Angebote so unterschiedlich?

Wenn drei Agenturen auf dieselbe Anfrage antworten und die Summen um den Faktor drei oder mehr auseinanderliegen, ist das selten Willkür. Meist hat jede Agentur ein anderes Projekt kalkuliert. Die eine rechnet mit fertigen Texten und Bildern aus Ihrem Haus, die andere schreibt alles neu. Die eine setzt ein gekauftes Theme ein, die andere gestaltet jede Seitenvorlage eigens. Die eine nennt nur die Erstellung, die andere legt Hosting, Wartung und eine Einweisung für Ihr Team gleich mit dazu.

Das Wort „Website“ beschreibt im Angebot also kein festes Produkt, sondern ein Bündel aus Leistungen, die jede Agentur anders schnürt. Wer nur die Endsumme vergleicht, vergleicht deshalb Äpfel mit Werkzeugkästen. Die Unterschiede verstecken sich fast immer an denselben Stellen:

PostenSchlankes Angebot rechnet oft mitUmfangreiches Angebot rechnet oft mit
Konzept und SeitenstrukturÜbernahme der bestehenden StrukturWorkshop, Sitemap, Wireframes vor dem Design
DesignGekauftes Theme, angepasst an Farben und LogoEigene Gestaltung je Seitentyp
TexteKunde liefert alle TexteInterviews, Texterstellung, Lektorat
BilderStockfotos oder KundenmaterialFotoshooting vor Ort, Bildbearbeitung
TechnikStandard-Plugins, wenig PrüfungPerformance-Optimierung, Tests auf Geräten
SEO beim RelaunchNicht erwähntWeiterleitungsplan, Metadaten, Search Console
Nach dem StartProjekt endet mit LivegangWartung, Updates, Ansprechpartner, Schulung

Keines der beiden Modelle ist per se falsch. Ein schlankes Angebot kann genau richtig sein, wenn Sie gute Texte und Bilder haben und intern jemand die Website pflegt. Problematisch wird es erst, wenn Sie ein schlankes Angebot unterschreiben und ein umfangreiches Projekt erwarten. Eine ausführliche Einordnung der Preisspannen finden Sie im Ratgeber Was kostet eine Website?.

Wie machen Sie Webdesign-Angebote vergleichbar?

Angebote werden erst vergleichbar, wenn alle Agenturen auf dieselbe Grundlage geantwortet haben. Haben Sie bisher nur ein Gespräch geführt und eine E-Mail geschrieben, hat jede Agentur Lücken mit eigenen Annahmen gefüllt. Das ist der häufigste Grund für Angebote, die nicht zusammenpassen.

Der sauberste Weg ist ein kurzes, schriftliches Briefing, das alle Anbieter in derselben Fassung erhalten. Es muss kein Lastenheft sein. Zwei bis vier Seiten reichen, wenn sie die entscheidenden Punkte klären. Eine fertige Struktur dafür bietet die Website-Briefing-Vorlage. Liegen die Angebote schon auf dem Tisch, können Sie das Briefing nachreichen und um eine Aktualisierung bitten. Das ist üblich und kein Affront.

Checkliste: Was jede Agentur von Ihnen wissen sollte

  • Ziel der Website in einem Satz (zum Beispiel Anfragen aus einer bestimmten Region, Bewerbungen, Händlerkontakte)
  • Ungefähre Anzahl Seiten, aufgeteilt nach Seitentypen (Startseite, Leistungsseiten, Referenzen, Karriere, Blog, Kontakt)
  • Wer Texte und Bilder liefert und in welchem Zustand sie heute sind
  • Sprachen und ob alle Sprachen zum Start fertig sein müssen
  • Gewünschte Funktionen: Formulare, Stellenbörse, Produktdaten, Login-Bereich, Schnittstellen
  • Ob es eine bestehende Website gibt, die Besucher aus Google bekommt
  • Wer die Website später pflegt und wie oft sich Inhalte ändern
  • Wunschtermin für den Start und ob er an einem Ereignis hängt (Messe, Firmenjubiläum)
  • Budgetrahmen, wenigstens als Spanne

Den Budgetrahmen zu nennen, fällt vielen schwer. Er hilft aber enorm: Eine Agentur kann dann zeigen, was sie für diesen Rahmen leistet, statt zu raten, ob Sie die einfache oder die große Lösung wollen. Wie sich das Projekt insgesamt sinnvoll aufsetzen lässt, beschreibt der Leitfaden Neue Firmenwebsite planen.

Webdesign-Angebot prüfen: welche 12 Fragen gehören vor die Unterschrift?

Die folgenden zwölf Fragen decken die Punkte ab, an denen Angebote am häufigsten auseinanderlaufen und an denen Projekte später am häufigsten Streit verursachen. Sie können die Fragen schriftlich an alle Anbieter schicken oder im Gespräch durchgehen. Notieren Sie die Antworten direkt in der Vergleichstabelle weiter unten.

1. Welche Leistungen sind je Seitentyp enthalten?

Warum die Frage wichtig ist: Eine Angabe wie „bis zu 15 Seiten“ sagt wenig. Eine Leistungsseite mit Text, Bildern und Anfrageformular ist etwas anderes als ein Impressum. Entscheidend ist, wie viele Seitentypen gestaltet werden und wie viele Seiten die Agentur selbst befüllt.

Gute Antwort: Das Angebot listet die Seitentypen einzeln auf, nennt je Typ die Anzahl der Seiten und sagt, wer die Seiten mit Inhalt füllt. Beispiel: „Gestaltung von 6 Seitenvorlagen, Befüllung von 12 Seiten durch uns, weitere Seiten pflegen Sie selbst im CMS.“

Warnsignal: Eine pauschale Seitenzahl ohne Erklärung, oder die Formulierung „inklusive aller Seiten“ ohne Mengenangabe. Beides führt fast sicher zu Diskussionen, sobald eine Seite mehr dazukommt.

2. Wer liefert Texte und Bilder, und was kostet es, wenn wir es nicht schaffen?

Warum die Frage wichtig ist: Texte und Bilder sind der häufigste Grund für Verzögerungen. Viele Angebote setzen stillschweigend voraus, dass der Kunde alles fertig liefert. Erfahrungsgemäß liegen die Inhalte dann Wochen nach dem geplanten Termin noch nicht vor.

Gute Antwort: Klare Zuordnung: Wer schreibt, wer lektoriert, wer fotografiert. Falls Sie liefern, nennt das Angebot Format und Termin. Falls die Agentur schreibt, ist beschrieben, wie die Inhalte entstehen (Interview, Fragebogen, Entwurf und Freigabe).

Warnsignal: Texte tauchen im Angebot gar nicht auf, oder es steht nur „Content-Einpflege“. Damit ist meist das Kopieren Ihrer Texte ins System gemeint, nicht das Schreiben.

3. Wie viele Korrekturschleifen sind enthalten, und was gilt als Korrektur?

Warum die Frage wichtig ist: Jede Agentur begrenzt Änderungen irgendwo, sonst wäre ein Festpreis nicht kalkulierbar. Die Frage ist, wo die Grenze liegt und ob sie zu Ihrer Entscheidungsstruktur passt. Wenn bei Ihnen drei Personen freigeben, reicht eine einzige Schleife selten.

Gute Antwort: Eine konkrete Zahl je Phase (zum Beispiel zwei Runden für das Design, zwei für die Texte) und eine Abgrenzung zwischen Korrektur und neuer Anforderung. Dazu der Preis oder Stundensatz für zusätzliche Runden.

Warnsignal: „Unbegrenzte Korrekturen“ klingt großzügig, wird aber oft durch Zeitdruck am Projektende wieder einkassiert. Genauso ungünstig: gar keine Angabe.

4. Wem gehören Code, Design, Domain und Inhalte nach dem Projekt?

Warum die Frage wichtig ist: Sie bezahlen für eine Website und gehen davon aus, dass sie Ihnen gehört. Rechtlich ist das nicht automatisch so. Im deutschen Urheberrecht werden Nutzungsrechte eingeräumt, nicht das Urheberrecht selbst übertragen. Wie weit diese Rechte reichen, regelt der Vertrag. Bei konkreten Vertragsfragen sollten Sie juristischen Rat einholen.

Gute Antwort: Das Angebot sagt ausdrücklich, dass Sie nach vollständiger Zahlung die zeitlich und räumlich unbeschränkten Nutzungsrechte an Design, Code und Texten erhalten, dass die Domain auf Ihr Unternehmen registriert wird und dass Sie Zugangsdaten zu allen Konten bekommen. Ausnahmen wie gekaufte Schriften oder Stockfotos werden benannt.

Warnsignal: Die Domain soll auf die Agentur laufen, Zugänge gibt es nur „auf Anfrage“, oder das Thema fehlt komplett. Eine Domain, die nicht auf Sie registriert ist, macht einen späteren Wechsel unnötig mühsam.

5. Kaufen wir die Website oder mieten wir sie?

Warum die Frage wichtig ist: Neben dem klassischen Kauf gibt es Mietmodelle: geringe oder keine Einmalkosten, dafür eine monatliche Gebühr über eine Mindestlaufzeit. Das kann sinnvoll sein. Es verändert aber die Rechnung über fünf Jahre und Ihre Freiheit, später den Anbieter zu wechseln.

Gute Antwort: Bei einem Mietmodell sind Laufzeit, Kündigungsfrist, enthaltene Leistungen und vor allem der Zustand nach dem Ende klar geregelt. Können Sie die Website mitnehmen? Gegen welchen Betrag? Bei Kauf: Welche laufenden Lizenzen (CMS, Plugins, Schriften) kommen hinzu?

Warnsignal: Eine Mindestlaufzeit, nach deren Ende die Website beim Anbieter bleibt, oder eine Übernahme nur gegen eine nicht bezifferte Gebühr. Rechnen Sie Monatsrate mal Laufzeit aus und vergleichen Sie diese Summe mit den Kaufangeboten.

6. Was kosten Hosting und Wartung, und was genau ist enthalten?

Warum die Frage wichtig ist: Eine Website ist nach dem Start nicht fertig. CMS, Plugins und Server brauchen Updates, Backups müssen laufen, und irgendwann fällt etwas aus. Ob das im Angebot steht, entscheidet oft mehr über die Gesamtkosten als der Erstellungspreis.

Gute Antwort: Ein separater Posten für Hosting und Wartung mit Monatspreis und Leistungsbeschreibung: Wie oft werden Updates eingespielt, wie oft gesichert, wie schnell reagiert die Agentur bei einem Ausfall, wie viele Minuten kleine Änderungen sind enthalten. Hosting in einem Rechenzentrum in der EU, mit Auftragsverarbeitungsvertrag.

Warnsignal: „Wartung nach Aufwand“ ohne Stundensatz, oder keine Aussage dazu, wer nach dem Start Sicherheitsupdates einspielt. Dann ist es im Zweifel niemand.

7. Wie sichern Sie unsere Google-Sichtbarkeit beim Relaunch?

Warum die Frage wichtig ist: Wenn Ihre heutige Website Besucher aus Google bekommt, hängen diese Besuche an konkreten Adressen. Ändern sich die Adressen beim Relaunch ohne Weiterleitung, landen Suchende auf Fehlerseiten und die Rankings gehen verloren. Das ist einer der teuersten Fehler bei neuen Websites, weil er erst Wochen später auffällt.

Gute Antwort: Die Agentur beschreibt einen Weiterleitungsplan: Alle bisherigen Adressen werden erfasst (etwa mit Screaming Frog und den Daten aus der Google Search Console) und per 301 auf die passende neue Seite geleitet. Dazu Titel und Beschreibungen je Seite, eine XML-Sitemap, saubere Überschriftenstruktur und eine Kontrolle der Search Console nach dem Start.

Warnsignal: „SEO-optimiert“ ohne jede Erklärung, oder die Antwort „das macht Google von selbst“. Mehr zur technischen Basis finden Sie in der Technical-SEO-Checkliste.

8. Wie gehen Sie mit Barrierefreiheit um?

Warum die Frage wichtig ist: Seit Ende Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Ob es Ihr Unternehmen direkt betrifft, hängt von Ihrem Angebot und Ihrer Größe ab und ist eine Frage für juristische Beratung. Unabhängig davon ist eine barrierearme Website besser lesbar, besser bedienbar und für Suchmaschinen leichter zu verstehen.

Gute Antwort: Die Agentur orientiert sich an den WCAG-Kriterien (in der Regel Stufe AA), nennt konkrete Punkte wie ausreichende Kontraste, Bedienbarkeit per Tastatur, Alternativtexte und beschriftete Formularfelder und sagt, wie sie das prüft.

Warnsignal: „Barrierefrei“ als Schlagwort ohne Prüfverfahren, oder die Empfehlung eines Overlay-Werkzeugs, das per Skript nachträglich Barrierefreiheit herstellen soll. Solche Werkzeuge ersetzen keine sauber gebaute Seite.

9. Wie schnell wird die Website laden, und auf welcher Technik läuft sie?

Warum die Frage wichtig ist: Ladezeit beeinflusst, ob Besucher bleiben, und fließt über die Core Web Vitals in die Bewertung durch Google ein. Gleichzeitig bestimmt die gewählte Technik, wer die Website später pflegen kann und wie abhängig Sie von einer einzelnen Agentur sind.

Gute Antwort: Ein messbares Ziel, zum Beispiel gute Werte in PageSpeed Insights für die wichtigsten Seitentypen auf Mobilgeräten, und eine Begründung für das gewählte System. Wenn Sie WordPress, Webflow oder ein anderes System vergleichen wollen, hilft der Ratgeber Webflow vs. Framer vs. WordPress.

Warnsignal: Ein selbst entwickeltes CMS, das nur diese Agentur bedienen kann, ohne gute Begründung. Oder ein Theme mit Dutzenden Plugins, bei dem niemand sagen kann, welche davon wirklich gebraucht werden. Hintergründe zu den Messwerten erklärt der Ratgeber Core Web Vitals optimieren.

10. Wie sieht der Zeitplan aus, und was müssen wir beitragen?

Warum die Frage wichtig ist: Ein Zeitplan im Angebot ist nur so belastbar wie die Annahmen über Ihre Mitarbeit. Wenn Sie für jede Freigabe zwei Wochen brauchen, verschiebt sich jedes Datum. Gute Agenturen schreiben deshalb auch Ihre Pflichten in den Plan.

Gute Antwort: Phasen mit Dauer, Meilensteinen und Ihren Mitwirkungspflichten: wann Inhalte geliefert werden, wie lange eine Freigabe dauern darf, wer bei Ihnen entscheidet. Dazu eine Regel, was passiert, wenn eine Seite in Verzug gerät.

Warnsignal: Ein fester Starttermin ohne Phasen, oder ein auffällig kurzer Zeitplan, der nur aufgeht, wenn alle Inhalte schon fertig sind.

11. Wie sind Zahlungsplan und Abnahme geregelt?

Warum die Frage wichtig ist: Der Zahlungsplan zeigt, wie Risiko zwischen Ihnen und der Agentur verteilt ist. Die Abnahme ist der Zeitpunkt, ab dem die Leistung als erbracht gilt. Beides sollten Sie vor der Unterschrift verstehen.

Gute Antwort: Zahlungen in Raten, gekoppelt an Meilensteine (zum Beispiel ein Teil bei Auftrag, ein Teil nach Designfreigabe, der Rest nach Abnahme). Die Abnahme ist beschrieben: Was wird geprüft, wie lange haben Sie Zeit, wie werden Mängel nach dem Start behandelt.

Warnsignal: Der volle Betrag im Voraus, oder eine Abnahme, die automatisch mit dem Livegang als erfolgt gilt, ohne dass Sie prüfen konnten.

12. Wer ist unser Ansprechpartner, und wer vertritt ihn?

Warum die Frage wichtig ist: Im Verkaufsgespräch sitzt oft jemand anderes als später im Projekt. Bei kleinen Agenturen und Freelancern hängt zudem viel an einer Person. Wenn diese ausfällt, braucht es eine Vertretung, die Ihr Projekt kennt.

Gute Antwort: Ein namentlich genannter Projektverantwortlicher, eine Vertretung, feste Kommunikationswege (etwa ein wöchentlicher Termin und ein gemeinsames Projektboard) und Reaktionszeiten. Die Abwägung zwischen Agentur und Einzelperson beschreibt der Vergleich Agentur vs. Freelancer vs. Inhouse.

Warnsignal: Auf die Frage nach der Vertretung folgt ein Zögern oder „das klappt schon“. Oder Sie haben bis zur Unterschrift nie mit der Person gesprochen, die Ihr Projekt umsetzen wird.

Vergleichstabelle: Webdesign-Angebote nebeneinander bewerten

Drucken Sie diese Tabelle aus oder übertragen Sie sie in eine Tabellenkalkulation. Tragen Sie je Angebot ein, was dort steht, und vergeben Sie dann eine Bewertung von 0 (fehlt oder unklar) bis 2 (klar und passend). Leere Felder sind die Fragen, die Sie noch stellen müssen.

KriteriumAngebot AAngebot BAngebot C
Einmalpreis netto
Laufende Kosten pro Jahr (Hosting, Wartung, Lizenzen)
Summe über 5 Jahre
Anzahl Seitentypen und befüllte Seiten
Texte: wer schreibt
Bilder: wer liefert
Korrekturschleifen je Phase
Nutzungsrechte und Domain beim Kunden
Kauf oder Miete, Laufzeit
Wartung: Updates, Backups, Reaktionszeit
Weiterleitungsplan und SEO-Grundlage
Barrierefreiheit: Standard und Prüfung
Technik und Ladezeitziel
Zeitplan und Mitwirkungspflichten
Zahlungsplan und Abnahme
Ansprechpartner und Vertretung
Punkte gesamt

Die Zeile „Summe über 5 Jahre“ ist die wichtigste. Sie rechnen dort Einmalpreis plus fünf Jahre laufende Kosten. Bei Mietmodellen ist das die Monatsrate mal 60 plus etwaige Einrichtungsgebühren. Erst diese Zahl macht Kauf, Miete und Pauschalpakete vergleichbar. Wie unterschiedlich die Rechnung bei Vorlage und individueller Gestaltung ausfallen kann, zeigt der Ratgeber Template vs. Custom Webdesign.

Beispielrechnung zur Einordnung: Angebot A kostet einmalig 8.000 Euro plus 60 Euro Hosting im Monat. Angebot B kostet einmalig nichts, dafür 250 Euro im Monat bei 48 Monaten Mindestlaufzeit. Über fünf Jahre liegt A bei 11.600 Euro, B bei 15.000 Euro, und bei B ist zu klären, ob Ihnen die Website nach dem fünften Jahr gehört. Die Zahlen sind ausgedacht und sollen nur das Rechenprinzip zeigen.

Wie fragen Sie bei der Agentur nach, ohne zu feilschen?

Nachfragen ist kein Misstrauensbeweis. Gute Agenturen sind froh über präzise Fragen, weil sie spätere Missverständnisse verhindern. Was eine Zusammenarbeit dagegen belastet, ist pauschales Drücken auf den Preis. Wer zehn Prozent Rabatt fordert, bekommt im Zweifel zehn Prozent weniger Sorgfalt, nur nicht dort, wo man es sieht.

Besser ist es, über Umfang zu sprechen statt über Preis. Diese Formulierungen haben sich bewährt:

  • Um Klarheit bitten: „In Ihrem Angebot steht ‚Content-Einpflege‘. Heißt das, Sie übertragen unsere fertigen Texte, oder schreiben Sie die Texte auch?“
  • Vergleichbarkeit herstellen: „Ein anderes Angebot enthält einen Weiterleitungsplan für den Relaunch. Ist das bei Ihnen enthalten, und wenn nein, was würde es kosten?“
  • Budget offen nennen: „Unser Rahmen liegt bei etwa X Euro. Was würden Sie streichen oder in eine zweite Phase verschieben, damit wir darin bleiben?“
  • Annahmen prüfen: „Sie rechnen mit zwei Korrekturschleifen. Bei uns geben Geschäftsführung und Vertrieb frei. Reicht das aus Ihrer Erfahrung?“
  • Nach dem Danach fragen: „Wenn wir in drei Jahren die Agentur wechseln wollen, was bekommen wir dann von Ihnen, und was kostet es?“
  • Risiken ansprechen: „Was passiert, wenn unsere Texte zwei Wochen später kommen als geplant?“

Achten Sie bei den Antworten weniger auf das Was als auf das Wie. Eine Agentur, die schnell, konkret und schriftlich antwortet, arbeitet meist auch im Projekt so. Eine Agentur, die auf jede Frage mit einem neuen Rabatt reagiert, hat den Preis vorher vermutlich nicht sauber kalkuliert.

Welche roten Flaggen sollten Sie bei einem Webdesign-Angebot ernst nehmen?

Einzelne Punkte sind kein Ausschlussgrund, sondern ein Anlass zum Nachfragen. Kommen mehrere zusammen, sollten Sie genauer hinsehen.

  • Festpreis ohne Leistungsbeschreibung: Eine Summe und eine Zeile „Website nach Ihren Wünschen“.
  • Domain oder Zugänge bleiben beim Anbieter: Sie können die Website ohne dessen Mitwirkung nicht umziehen.
  • Lange Mietlaufzeit ohne Übernahmeregel: Nach Jahren der Zahlung gehört Ihnen nichts.
  • Ranking-Versprechen: Garantierte Platzierungen bei Google kann niemand seriös zusagen, weil niemand außer Google den Algorithmus kontrolliert.
  • Kein Wort zum Relaunch: Bei einer bestehenden Website mit Besuchern aus Google fehlt jede Aussage zu Weiterleitungen.
  • Druck beim Abschluss: Ein Rabatt, der nur bis Freitag gilt, ersetzt keine Antwort auf Ihre Fragen.
  • Keine Referenzen, die Sie anrufen können: Schöne Bilder im Portfolio, aber kein Kunde, der bereit ist, kurz über die Zusammenarbeit zu sprechen.
  • Vorauszahlung des Gesamtbetrags: Damit tragen Sie das gesamte Risiko.
Faustregel: Ein Angebot ist nicht deshalb gut, weil es günstig oder teuer ist, sondern weil Sie nach dem Lesen genau wissen, was Sie bekommen, was Sie selbst tun müssen und was nach dem Start passiert.

Welche Fehler passieren beim Vergleich von Webdesign-Angeboten am häufigsten?

  1. Nur die Endsumme vergleichen. Die laufenden Kosten und die fehlenden Posten entscheiden, nicht die erste Zahl.
  2. Den eigenen Aufwand unterschätzen. Texte, Bilder, Freigaben und Abstimmungen kosten intern Zeit. Ein günstiges Angebot, das alles davon Ihnen überlässt, ist intern oft das teuerste.
  3. Portfolio mit Prozess verwechseln. Schöne Referenzen zeigen, was am Ende herauskam, nicht, wie der Weg dorthin war. Fragen Sie Referenzkunden nach Termintreue und Kommunikation.
  4. Den Relaunch wie einen Neustart behandeln. Wer eine Website mit vorhandener Sichtbarkeit ersetzt, braucht einen Weiterleitungsplan. Ohne ihn verlieren Sie, was Sie über Jahre aufgebaut haben.
  5. Zu viele Entscheider, kein Verantwortlicher. Legen Sie intern eine Person fest, die freigibt. Sonst reichen keine Korrekturschleifen der Welt.
  6. Vertragliche Details auf später verschieben. Nutzungsrechte, Abnahme und Kündigung lassen sich vor der Unterschrift leicht klären, danach kaum noch.

Fahrplan: in drei Wochen von mehreren Angeboten zur Entscheidung

Dieser Ablauf passt für die meisten Projekte im Mittelstand. Er setzt voraus, dass zwei bis vier Angebote vorliegen oder angefragt sind.

ZeitraumWas Sie tunErgebnis
Woche 1, AnfangAngebote in die Vergleichstabelle übertragen, Lücken markierenListe offener Fragen je Anbieter
Woche 1, EndeBriefing nachschärfen und mit den zwölf Fragen an alle Anbieter schickenAlle arbeiten auf derselben Grundlage
Woche 2Antworten auswerten, je Anbieter ein Gespräch von 45 Minuten mit der Person, die das Projekt umsetzen würdeAktualisierte Angebote, Eindruck von der Zusammenarbeit
Woche 2, EndeJe eine Referenz der zwei aussichtsreichsten Anbieter anrufenErfahrungen aus erster Hand
Woche 3Fünfjahressumme berechnen, Punkte vergeben, intern entscheiden, Vertragsentwurf prüfen lassenUnterschriftsreife Entscheidung

Drei Wochen klingen lang, wenn der Starttermin drückt. Gemessen an einer Website, mit der Sie mehrere Jahre arbeiten, sind sie gut investiert.

Checkliste vor der Unterschrift

Gehen Sie diese Punkte durch, bevor Sie ein Webdesign-Angebot unterschreiben. Jeder Punkt sollte mit Ja beantwortet sein oder bewusst offen gelassen werden.

  • Ich weiß, welche Seitentypen gestaltet und wie viele Seiten von der Agentur befüllt werden.
  • Es ist schriftlich festgelegt, wer Texte schreibt und wer Bilder liefert.
  • Die Zahl der Korrekturschleifen und der Preis für weitere sind bekannt.
  • Nutzungsrechte an Design, Code und Texten gehen nach Zahlung an uns, Ausnahmen sind benannt.
  • Die Domain ist auf unser Unternehmen registriert, wir erhalten alle Zugänge.
  • Bei Miete: Laufzeit, Kündigung und Übernahme nach Vertragsende sind geregelt.
  • Hosting und Wartung sind mit Preis und Leistung beschrieben, ein Auftragsverarbeitungsvertrag liegt vor.
  • Bei einem Relaunch gibt es einen Weiterleitungsplan und eine Kontrolle nach dem Start.
  • Barrierefreiheit und Ladezeit haben ein überprüfbares Ziel.
  • Der Zeitplan enthält unsere Mitwirkungspflichten, und wir können sie einhalten.
  • Zahlungen sind an Meilensteine gekoppelt, die Abnahme ist beschrieben.
  • Wir kennen die Person, die das Projekt umsetzt, und ihre Vertretung.
  • Wir haben die Fünfjahressumme aller Angebote berechnet.
  • Vertragliche Fragen, die wir selbst nicht beurteilen können, hat eine fachkundige Person geprüft.

Wenn Sie wissen wollen, wie wir selbst unsere Angebote aufbauen und welche Leistungen wir je Paket festschreiben, finden Sie das transparent auf unserer Preisseite.

Häufige Fragen

Warum sind Webdesign-Angebote für dieselbe Website so unterschiedlich teuer? +
Weil jede Agentur ein anderes Projekt kalkuliert. Die Unterschiede liegen meist bei Texten und Bildern, eigener Gestaltung gegenüber einem gekauften Theme, Konzeptarbeit vor dem Design, SEO-Maßnahmen beim Relaunch sowie Hosting und Wartung nach dem Start. Ein günstiges Angebot setzt oft voraus, dass der Kunde Inhalte fertig liefert und die Website selbst pflegt. Vergleichbar werden Angebote erst, wenn alle Anbieter auf dasselbe schriftliche Briefing antworten und Sie die Kosten über fünf Jahre gegenüberstellen.
Wie vergleiche ich Webdesign-Angebote richtig? +
Schicken Sie allen Anbietern dasselbe Briefing, übertragen Sie die Angebote in eine Tabelle mit festen Kriterien und markieren Sie Lücken als Rückfragen. Wichtige Kriterien sind Leistungsumfang je Seitentyp, Texte und Bilder, Korrekturschleifen, Nutzungsrechte und Domain, Kauf oder Miete, Wartung, SEO beim Relaunch, Barrierefreiheit, Technik, Zeitplan, Zahlungsplan und Ansprechpartner. Entscheidend ist am Ende die Summe aus Einmalpreis und fünf Jahren laufender Kosten, nicht der erste Betrag auf dem Angebot.
Gehört mir die Website, wenn ich sie bezahlt habe? +
Nicht automatisch. Im deutschen Urheberrecht werden in der Regel Nutzungsrechte eingeräumt, deren Umfang der Vertrag festlegt. Achten Sie darauf, dass das Angebot nach vollständiger Zahlung zeitlich und räumlich unbeschränkte Nutzungsrechte an Design, Code und Texten nennt, dass die Domain auf Ihr Unternehmen registriert wird und dass Sie alle Zugänge erhalten. Bei Mietmodellen gelten oft andere Regeln. Für die Beurteilung eines konkreten Vertrags sollten Sie juristischen Rat einholen.
Ist eine Website zur Miete günstiger als ein Kauf? +
Am Anfang ja, über die Laufzeit oft nicht. Mietmodelle haben geringe oder keine Einmalkosten, dafür eine Monatsgebühr über eine Mindestlaufzeit. Rechnen Sie die Monatsrate mal 60 Monate plus Einrichtungsgebühr und vergleichen Sie das mit Kaufpreis plus fünf Jahren Hosting und Wartung. Prüfen Sie außerdem, ob Sie die Website nach Vertragsende übernehmen können und zu welchen Bedingungen. Ohne diese Regelung zahlen Sie für etwas, das Ihnen nie gehört.
Was muss ein Webdesign-Angebot zum Thema SEO beim Relaunch enthalten? +
Mindestens einen Weiterleitungsplan: Alle bisherigen Adressen werden erfasst, etwa mit Screaming Frog und Daten aus der Google Search Console, und per 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite gelenkt. Dazu gehören Seitentitel und Beschreibungen, eine saubere Überschriftenstruktur, eine XML-Sitemap und eine Kontrolle der Search Console nach dem Start. Fehlt das, kann eine Website mit bestehender Google-Sichtbarkeit nach dem Relaunch deutlich an Besuchern verlieren.
Welche Warnsignale gibt es bei Webdesign-Angeboten? +
Typische Warnsignale sind ein Festpreis ohne Leistungsbeschreibung, eine Domain, die auf die Agentur registriert werden soll, lange Mietlaufzeiten ohne Übernahmeregel, garantierte Google-Platzierungen, fehlende Aussagen zu Weiterleitungen beim Relaunch, Zeitdruck beim Abschluss, keine ansprechbaren Referenzkunden und eine Vorauszahlung des Gesamtbetrags. Ein einzelner Punkt ist ein Anlass für eine Rückfrage. Kommen mehrere zusammen, sollten Sie das Angebot sehr genau prüfen und die Antworten schriftlich einholen.

Passend dazu

Über diesen Artikel

Verfasst von: , Organic Growth Strategist
Cluster: Website & Kosten
Veröffentlicht:
Lizenz: © Muria Agency, Inhalt darf mit Quellenangabe (Link zur Seite) zitiert werden.

Dieser Artikel ist Teil von Muria Agency's Resource Hub, strategisch kuratierte Inhalte zu B2B-Positionierung, GEO, Brand Identity und SEO. Geprüft und freigegeben von einem der beiden Gründer:innen.

Du hast den Artikel gelesen.
Jetzt umsetzen?

Buch dir einen 15-Min Call mit uns, wir schauen direkt was bei dir passt. Ohne Verkaufsdruck, ohne Pitch-Deck.