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Iconography B2B — Custom Icons vs. Icon Library

Iconography B2B ist ein oft unterschätzter Bestandteil des visuellen Systems einer Marke. Icons erscheinen auf Websites, in Pitch Decks, in Produktoberflächen und in Dokumenten — und sie kommunizieren Markenpersönlichkeit, noch bevor ein Nutzer einen einzigen Satz gelesen hat. Die zentrale Frage für die meisten B2B-Unternehmen lautet: Investiert man in ein Custom Icon Set, oder reicht eine hochwertige Icon Library? Die Antwort hängt von Reifegrad, Budget und Positionierung ab — und ist weniger eindeutig, als viele Designstudios suggerieren.
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Geschrieben von

Creative Director, Muria Agency
6 Min Lesezeit ·
Inhaltsverzeichnis
  1. Was Icons in B2B wirklich leisten
  2. Icon Libraries — Stärken und Grenzen
  3. Custom Icons — wann sich die Investition lohnt
  4. Iconography im Brand System verankern
  5. Entscheidungsrahmen — Custom vs. Library
  6. Technische Implementierung — Icons im Web
  7. Icons in Pitch Decks und Brand Templates

Was Icons in B2B wirklich leisten

Icons sind keine Dekoration. In B2B-Kontexten erfüllen sie drei konkrete Funktionen: Sie strukturieren Information, sie ersetzen Text in Interfaces und sie transportieren Markenstil. Ein Icon-Set, das inkonsistent oder generisch wirkt, untergräbt das visuelle System — selbst wenn Typografie und Farbe stark sind.

Besonders kritisch ist Iconography in produktnahen B2B-Marken: SaaS-Anbieter, Plattformen, komplexe Dienstleister mit digitalen Touchpoints. Hier begegnen Nutzer Icons täglich — in Dashboards, Onboarding-Flows, Dokumentationen. Ein generisches Icon-Set aus einer öffentlichen Library ist in diesen Kontexten sofort erkennbar und wirkt wie ein Signal mangelnder Investition in das eigene Produkt.

Für klassische B2B-Dienstleister — Beratungen, Agenturen, Industrieunternehmen — ist die Anforderung oft geringer. Icons erscheinen auf der Website, in Präsentationen, gelegentlich in Reports. Hier ist die Frage nach Custom vs. Library eine Abwägung zwischen Differenzierung und Aufwand.

Das visuelle System einer skalierbaren Marke definiert, welche Rolle Icons spielen — und damit auch, welcher Investitionsgrad gerechtfertigt ist.

Icon Libraries — Stärken und Grenzen

Icon Libraries wie Phosphor Icons, Lucide, Heroicons oder Material Symbols sind technisch ausgereift, konsistent in sich und sofort einsatzbereit. Für viele B2B-Projekte sind sie der pragmatisch richtige Ausgangspunkt.

Vorteile im B2B-Einsatz

  • Sofortige Verfügbarkeit: Kein Designaufwand, kein Briefing, keine Iterationsschleifen.
  • Technische Integration: SVG-basierte Libraries wie Lucide lassen sich direkt in React, Vue oder als Sprite einbinden.
  • Konsistenz innerhalb des Sets: Professionelle Libraries haben einheitliche Strichstärken, Abstände und Konstruktionsprinzipien.
  • Wartbarkeit: Updates und neue Icons kommen automatisch mit neuen Versionen.

Grenzen im B2B-Kontext

  • Fehlende Differenzierung: Wer Heroicons nutzt, sieht aus wie Tausende andere Produkte. Das ist kein Problem für interne Tools — aber ein Problem für Marken, die Premiumpositionierung beanspruchen.
  • Stilkonflikte: Eine Library mit geometrischem, technischem Stil passt nicht zu einer Marke, die auf Wärme und Menschlichkeit setzt.
  • Lücken im Vokabular: Branchenspezifische Konzepte — etwa in Logistik, Medizintechnik oder Finanzdienstleistungen — fehlen in generischen Libraries oft.
  • Lizenzfragen: Nicht alle Libraries erlauben kommerzielle Nutzung ohne Attribution oder in proprietären Produkten. Phosphor und Lucide sind MIT-lizenziert; bei anderen lohnt sich ein genauer Blick in die Lizenzbedingungen.

Eine pragmatische Strategie: Eine Library als Basis verwenden, aber für die fünf bis zehn meistgenutzten Icons auf der Website oder im Produkt eigene Varianten entwickeln, die den Markenstil stärker treffen. Das ist kein Custom Set — aber es ist auch kein reines Library-Projekt.

Custom Icons — wann sich die Investition lohnt

Ein vollständiges Custom Icon Set ist ein erheblicher Aufwand. Je nach Umfang — 50 bis 200 Icons — und Komplexität kostet ein professionell entwickeltes Set zwischen 8.000 und 40.000 Euro. Das ist kein Argument dagegen, aber es ist ein Argument dafür, die Entscheidung bewusst zu treffen.

Kriterien, die für Custom Icons sprechen

  1. Starke Markenpositionierung mit visueller Differenzierung als Ziel: Wenn das Brand Identity System auf einem einzigartigen visuellen Stil aufbaut — etwa einem spezifischen Konstruktionsprinzip, einer ungewöhnlichen Strichführung oder einem proprietären Formelement — dann müssen Icons diesen Stil tragen.
  2. Produktnahe Marken mit hoher Icon-Dichte: SaaS-Produkte, Plattformen und digitale Tools nutzen Icons in einer Frequenz, die generische Sets schnell als Fremdkörper entlarvt.
  3. Branchenspezifisches Vokabular: Wenn die Kernkonzepte des Unternehmens in keiner Library abgebildet sind, ist Custom der einzige Weg.
  4. Langfristige Markenstabilität: Custom Icons sind ein Asset, das über Jahre hinweg genutzt wird. Der ROI verteilt sich auf einen langen Zeitraum.

Was ein professionelles Custom Set beinhalten sollte

Ein Custom Icon Set ist kein Bündel einzelner Illustrationen. Es basiert auf einem Konstruktionssystem: einem definierten Grid (typischerweise 24×24 oder 32×32 Pixel), einer festgelegten Strichstärke, einheitlichen Eckenradien und konsistenten optischen Ausgleichsregeln. Ohne dieses System wirken selbst aufwendig gezeichnete Icons inkonsistent.

Wichtig ist auch die Lieferung in mehreren Gewichten oder Stilen — Outline, Filled, Duo-Tone — wenn das Interface unterschiedliche Zustände kommunizieren muss. Und: Jedes Icon sollte als optimiertes SVG geliefert werden, nicht als exportiertes PNG.

Wer ein Custom Icon Set in Auftrag gibt, sollte sicherstellen, dass die Designdatei (Figma, Sketch) mit übergeben wird — inklusive der Konstruktionsprinzipien. Sonst ist das Set nicht erweiterbar.

Iconography im Brand System verankern

Ob Custom oder Library — Icons müssen in den Brand Guidelines dokumentiert sein. Das bedeutet: Welches Set wird genutzt? Welche Stile sind erlaubt? In welchen Kontexten erscheinen Icons in welcher Größe? Welche Farben dürfen Icons annehmen?

Ohne diese Dokumentation entstehen über Zeit Inkonsistenzen: Ein Mitarbeiter nutzt Heroicons, ein anderer Material Icons, ein dritter exportiert etwas aus Flaticon. Das Ergebnis ist ein visuelles System, das nach außen fragmentiert wirkt.

Icons interagieren außerdem mit anderen Elementen des visuellen Systems — insbesondere mit Typografie und dem Farbsystem. Ein geometrisches, technisches Icon-Set passt zu einer serifenlosen, konstruktivistischen Typografie — aber nicht zu einer warmen, humanistischen Schrift. Diese Abstimmung ist keine Kleinigkeit; sie entscheidet darüber, ob das visuelle System kohärent wirkt oder aus Einzelteilen zusammengesetzt erscheint.

Entscheidungsrahmen — Custom vs. Library

Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Entscheidungskriterien zusammen:

  • Budget unter 5.000 Euro für das gesamte Branding: Icon Library, gut ausgewählt und konsequent angewendet.
  • Dienstleistungsunternehmen ohne digitales Produkt: Library mit selektiven Custom-Icons für Kernkonzepte.
  • SaaS oder Plattform mit starker Markenambition: Custom Set — zumindest für die 30 bis 50 meistgenutzten Icons.
  • Rebranding mit neuem visuellen System: Prüfen, ob das neue System mit einer bestehenden Library kompatibel ist; wenn nicht, Custom.
  • Internationales Unternehmen mit mehreren Produktlinien: Custom Set als Teil des übergeordneten Brand Architecture-Systems.

Ein Hinweis zur Praxis: Viele Unternehmen starten mit einer Library und migrieren später zu Custom Icons, wenn das Produkt oder die Marke gewachsen ist. Das ist ein valider Weg — solange die Library-Entscheidung bewusst getroffen und dokumentiert wird, nicht aus Bequemlichkeit.

Technische Implementierung — Icons im Web

Unabhängig vom Ursprung der Icons ist die technische Implementierung entscheidend für Performance und Wartbarkeit. Die wichtigsten Ansätze:

Inline SVG

Direkt im HTML eingebettete SVGs sind vollständig per CSS steuerbar — Farbe, Größe, Hover-Zustände. Nachteil: Sie erhöhen den HTML-Payload und sind schwerer zu cachen.

SVG Sprite

Ein zentrales SVG-Sprite-File enthält alle Icons als <symbol>-Elemente. Im HTML werden sie per <use href='#icon-name'> referenziert. Das ist die skalierbarste Lösung für größere Icon-Sets — ein HTTP-Request, gecacht, vollständig per CSS steuerbar.

Icon Font

Icon Fonts wie Font Awesome waren lange Standard, haben aber Nachteile: schlechtere Accessibility, Rendering-Probleme auf bestimmten Systemen, und sie sind schwerer zu erweitern. Für neue Projekte sind SVG-basierte Lösungen vorzuziehen.

Für Accessibility gilt: Icons, die Information tragen, brauchen ein aria-label oder einen visuell versteckten Text. Rein dekorative Icons erhalten aria-hidden='true'. Das ist keine optionale Verbesserung — es ist ein Grundstandard.

Wer Icons auch in Print-Materialien einsetzt — Broschüren, Pitch Decks, Geschäftsberichte — sollte sicherstellen, dass die SVGs auch als Vektordateien für InDesign oder Illustrator vorliegen. Die Konsistenz zwischen Print und Digital ist ein häufig vernachlässigter Aspekt des Corporate Designs.

Icons in Pitch Decks und Brand Templates

Ein besonderer Anwendungsfall in B2B ist der Einsatz von Icons in Präsentationen und Dokumenten. Pitch Decks, Angebote, Jahresberichte — all diese Formate nutzen Icons zur Strukturierung von Information. Hier entstehen oft die größten Inkonsistenzen, weil Mitarbeiter Icons aus verschiedenen Quellen kombinieren.

Die Lösung ist eine zentrale Icon-Bibliothek in Figma oder PowerPoint, die im Rahmen der Brand Templates gepflegt wird. Wer das einmal sauber aufsetzt, eliminiert einen großen Teil der visuellen Inkonsistenz im Alltag.

Häufige Fragen

Wann lohnt sich ein Custom Icon Set für B2B-Unternehmen? +
Ein Custom Icon Set lohnt sich, wenn das Unternehmen ein digitales Produkt mit hoher Icon-Dichte betreibt, eine starke visuelle Differenzierung anstrebt oder branchenspezifische Konzepte abbilden muss, die in generischen Libraries fehlen. Für klassische Dienstleister ohne Produktoberfläche ist eine hochwertige, konsequent angewendete Icon Library in den meisten Fällen ausreichend.
Welche Icon Libraries eignen sich für B2B-Websites? +
Phosphor Icons, Lucide und Heroicons sind MIT-lizenziert, technisch ausgereift und in verschiedenen Stilen verfügbar. Material Symbols von Google ist ebenfalls hochwertig, wirkt aber stärker nach Google-Produkt. Die Wahl sollte sich am visuellen Stil der Marke orientieren — geometrisch-technisch oder humanistisch-rund — nicht an Popularität.
Wie werden Icons technisch am besten in Websites eingebunden? +
SVG Sprites sind für größere Icon-Sets die skalierbarste Lösung: ein gecachtes File, ein HTTP-Request, vollständig per CSS steuerbar. Inline SVG eignet sich für einzelne, interaktive Icons. Icon Fonts gelten für neue Projekte als überholt. Wichtig: Dekorative Icons mit aria-hidden='true', informationstragende Icons mit aria-label auszeichnen.
Müssen Icons in den Brand Guidelines dokumentiert werden? +
Ja — ohne Dokumentation entstehen über Zeit Inkonsistenzen durch verschiedene Quellen und Stile. Die Brand Guidelines sollten festhalten: welches Set genutzt wird, welche Stile erlaubt sind, in welchen Größen Icons erscheinen und welche Farben sie annehmen dürfen. Das gilt für Custom Sets und Libraries gleichermaßen.
Können Icons aus einer Library mit Custom Icons kombiniert werden? +
Ja, das ist ein pragmatischer Mittelweg: Eine Library als Basis, Custom Icons für die fünf bis zehn Kernkonzepte der Marke. Voraussetzung ist, dass die Custom Icons denselben Konstruktionsprinzipien folgen wie die Library — gleiche Strichstärke, gleiches Grid, gleiche Eckenradien. Sonst wirkt die Kombination inkohärent.

Über diesen Artikel

Verfasst von: , Creative Director
Cluster: Branding
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