Branding

Brand Guidelines schreiben — Template, Struktur und Beispiele

Ein Brand Guidelines Template ist kein Selbstzweck. Es ist das operative Dokument, das sicherstellt, dass eine Marke konsistent kommuniziert — unabhängig davon, wer gerade an welchem Touchpoint arbeitet. Viele Unternehmen erstellen Brand Guidelines einmal und vergessen sie dann. Andere bauen sie so komplex auf, dass niemand sie nutzt. Dieser Artikel zeigt, welche Kapitel wirklich notwendig sind, wie eine sinnvolle Struktur aussieht und worauf es bei der Umsetzung ankommt — mit konkreten Beispielen aus der B2B-Praxis.
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Geschrieben von

Creative Director, Muria Agency
6 Min Lesezeit ·
Inhaltsverzeichnis
  1. Was Brand Guidelines leisten — und was nicht
  2. Brand Guidelines Template — die bewährte Grundstruktur
  3. Umfang und Detailtiefe — wie viel ist genug?
  4. Brand Guidelines aktuell halten
  5. Häufige Fehler bei Brand Guidelines
  6. Was gute Brand Guidelines auszeichnet — Beispiele

Was Brand Guidelines leisten — und was nicht

Brand Guidelines — auch Markenhandbuch, Brand Manual oder Corporate Design Manual genannt — dokumentieren die visuellen und kommunikativen Regeln einer Marke. Sie beantworten Fragen wie: Welche Farben dürfen verwendet werden? Wie wird das Logo eingesetzt? Wie klingt die Marke in Texten?

Was sie nicht leisten: Sie ersetzen keine Markenstrategie. Wer noch keine klare Positionierung hat, sollte zuerst dort ansetzen — die Guidelines sind das Ergebnis strategischer Entscheidungen, nicht deren Ersatz. Der Zusammenhang zwischen Strategie und visuellem System wird im vollständigen Guide zur Brand Identity für B2B ausführlich behandelt.

Ein häufiger Fehler: Brand Guidelines werden als PDF erstellt, in einem Ordner abgelegt und nie wieder geöffnet. Sinnvoller ist ein lebendiges Dokument — entweder als Notion-Seite, als Figma-Datei mit eingebetteter Dokumentation oder als dedizierte Plattform wie Frontify oder Zeroheight. Das Format sollte sich nach dem Team richten, das damit arbeitet.

Brand Guidelines Template — die bewährte Grundstruktur

Eine funktionale Struktur für B2B-Brand-Guidelines umfasst typischerweise folgende Kapitel. Die Reihenfolge ist nicht zufällig: Sie führt vom Abstrakten zum Konkreten.

1. Markenfundament

Hier steht, wofür die Marke steht — nicht als Marketing-Prosa, sondern als klare Referenz für alle nachfolgenden Entscheidungen. Typische Inhalte:

  • Mission und Vision — in je einem präzisen Satz
  • Positionierung — für wen, gegen was, warum
  • Markenwerte — maximal vier bis fünf, mit konkreter Erklärung, was sie im Alltag bedeuten
  • Zielgruppe — nicht als Demografie, sondern als Beschreibung der Denkweise und Probleme

Dieses Kapitel ist oft das am meisten unterschätzte. Wer es weglässt, baut Guidelines ohne Fundament.

Das Logo-Kapitel dokumentiert alle zugelassenen Varianten und deren Verwendungsregeln. Dazu gehören:

  • Primäres Logo, Wortmarke, Icon-Variante
  • Schutzzone (Mindestabstand zu anderen Elementen)
  • Mindestgrößen für Print und Digital
  • Erlaubte und nicht erlaubte Verwendungen (mit visuellen Beispielen)
  • Farbvarianten: Vollfarbe, Schwarz, Weiß, Monochrom

Was gute Logo-Dokumentation auszeichnet: Sie zeigt nicht nur, was erlaubt ist, sondern erklärt auch, warum bestimmte Verwendungen verboten sind. Das schafft Verständnis statt blinder Regelanwendung. Mehr zur Logik hinter B2B-Logoentscheidungen findet sich im Artikel zu Logo Design für B2B.

3. Farbsystem

Ein vollständiges Farbsystem für B2B-Marken besteht aus mehr als einer Primärfarbe. Die typische Struktur:

  • Primärfarbe(n) — mit HEX, RGB, CMYK und Pantone-Werten
  • Sekundärpalette — für Akzente, Hintergründe, Grafiken
  • Neutrale Töne — Graustufen, Off-White, Schwarz-Varianten
  • Verwendungsregeln — welche Farbe dominiert, welche akzentuiert, welche nur sparsam eingesetzt wird
  • Accessibility-Hinweise — Kontrastverhältnisse nach WCAG 2.1

Wie ein durchdachtes Farbsystem aufgebaut wird, erklärt der Artikel zum Brand Color System für B2B Schritt für Schritt.

4. Typografie

Das Typografie-Kapitel legt fest, welche Schriften in welchen Kontexten eingesetzt werden. Relevante Inhalte:

  • Display-Schrift für Headlines
  • Body-Schrift für Fließtext
  • Schrifthierarchie: H1 bis H4, Body, Caption, Label
  • Schriftgrößen und Zeilenabstände für Web und Print
  • Fallback-Schriften für E-Mail und Office-Dokumente

Gerade im B2B-Kontext wird Typografie oft unterschätzt. Wie Display- und Body-Schriften sinnvoll kombiniert werden, zeigt der Typography-Guide für B2B Websites.

5. Bildsprache und Fotografie

Dieser Abschnitt definiert den visuellen Stil von Fotos, Illustrationen und Icons. Konkret bedeutet das:

  • Welche Motive sind typisch für die Marke — Menschen, Prozesse, Produkte?
  • Welcher Bildstil wird bevorzugt — dokumentarisch, inszeniert, abstrakt?
  • Welche Bildstimmungen (hell/dunkel, warm/kühl) passen zur Marke?
  • Was ist explizit ausgeschlossen — Stock-Klischees, bestimmte Farbfilter?

Für den Aufbau eines konsistenten visuellen Stils in B2B-Marken gibt es einen eigenen Artikel zur Brand Photography. Wer Icons einsetzt, findet in dem Artikel zu Iconography für B2B eine fundierte Entscheidungshilfe zwischen Custom Icons und Libraries.

6. Brand Voice und Ton

Brand Voice ist die Persönlichkeit der Marke in Sprache. Dieser Abschnitt beantwortet: Wie schreibt diese Marke? Was sagt sie — und was sagt sie bewusst nicht?

  • Drei bis vier Charaktereigenschaften der Stimme mit Erklärung
  • Konkrete Beispiele: So schreiben wir — so nicht
  • Tonvariationen je nach Kontext (Sales-Deck vs. Fehlermeldung vs. LinkedIn-Post)
  • Verbotene Wörter oder Phrasen

Der Aufbau einer kohärenten Markenstimme — von der Positionierung bis zur konkreten Sprache — wird im Artikel zu Brand Voice und Tone ausführlich behandelt.

7. Anwendungsbeispiele und Templates

Abstrakte Regeln werden erst durch Beispiele verständlich. Das letzte Kapitel zeigt, wie die Marke in realen Kontexten aussieht:

  • Präsentationen und Pitch Decks
  • Social-Media-Formate
  • E-Mail-Signaturen
  • Briefpapier und Dokumente
  • Werbemittel und Messen

Wer Templates für diese Anwendungsfälle erstellen möchte, findet im Artikel zu Brand Templates eine strukturierte Anleitung. Für die Konsistenz zwischen Print- und Digitalmedien lohnt sich der Blick auf den Artikel zu Print- und Digital-Konsistenz im Corporate Design.

Umfang und Detailtiefe — wie viel ist genug?

Eine häufige Frage: Wie umfangreich müssen Brand Guidelines sein? Die ehrliche Antwort: So umfangreich wie nötig, so kompakt wie möglich.

Für ein Unternehmen mit fünf Mitarbeitenden reicht oft ein 10-seitiges Dokument mit den wichtigsten Regeln. Ein Konzern mit mehreren Marken und hunderten Touchpoints braucht ein deutlich tieferes System — möglicherweise mit eigenen Sub-Brand-Richtlinien. Die Frage der Brand Architecture beeinflusst direkt, wie komplex die Guidelines werden müssen.

Faustregel: Wenn niemand im Team die Guidelines tatsächlich nutzt, sind sie entweder zu komplex, zu unzugänglich oder zu irrelevant für den Alltag. Das ist ein Zeichen zum Kürzen, nicht zum Ergänzen.

Brand Guidelines aktuell halten

Brand Guidelines sind kein einmaliges Projekt. Sie müssen gepflegt werden — besonders nach einem Rebranding oder einem Brand Refresh. Sinnvoll ist eine klare Versionierung: Jede Änderung wird dokumentiert, mit Datum und Begründung.

Praktische Empfehlung: Mindestens einmal jährlich prüfen, ob die Guidelines noch zur gelebten Marke passen. Besonders nach Produkterweiterungen, Zielgruppenverschiebungen oder Marktveränderungen entstehen Lücken zwischen dokumentierter und tatsächlicher Markenidentität.

Tools wie Frontify, Zeroheight oder auch ein strukturiertes Notion-Wiki ermöglichen es, Guidelines kollaborativ zu pflegen und direkt mit Assets zu verknüpfen — das erhöht die tatsächliche Nutzungsrate erheblich.

Häufige Fehler bei Brand Guidelines

Aus der Praxis kristallisieren sich einige wiederkehrende Probleme heraus:

  • Zu viele Regeln, zu wenig Kontext: Regeln ohne Begründung werden ignoriert oder falsch angewendet.
  • Kein Anwendungsbeispiel: Abstrakte Farbcodes helfen wenig, wenn unklar ist, wie sie kombiniert werden sollen.
  • Fehlende Verantwortlichkeit: Wenn niemand für die Guidelines zuständig ist, veralten sie schnell.
  • Nur für Design gedacht: Brand Guidelines, die nur das Designteam adressieren, verfehlen ihren Zweck. Auch Vertrieb, HR und externe Partner brauchen Orientierung.
  • Kein skalierbares System: Einzelne Regeln statt eines kohärenten Systems führen zu Inkonsistenz bei neuen Formaten. Der Artikel zum Visual System für skalierbare Marken zeigt, wie ein solches System aufgebaut wird.

Was gute Brand Guidelines auszeichnet — Beispiele

Einige öffentlich zugängliche Brand Guidelines gelten als Referenz in der Branche:

  • Mailchimp: Klare Sprache, viele Do/Don't-Beispiele, starker Fokus auf Voice and Tone — das Unternehmen hat seinen Tone-of-Voice-Guide sogar als eigenständige Ressource veröffentlicht.
  • IBM Design Language: Eines der umfassendsten Systeme überhaupt — mit eigener Website, Prinzipien und tiefer Dokumentation. Relevant für Unternehmen, die ein vollständiges Design-System aufbauen wollen.
  • Figma: Zeigt, wie ein modernes Tech-Unternehmen Markenregeln direkt in den Designprozess integriert.

Was diese Beispiele gemeinsam haben: Sie erklären das Warum hinter den Regeln. Sie sind zugänglich gestaltet. Und sie werden tatsächlich genutzt — weil sie nützlich sind, nicht weil sie existieren.

Häufige Fragen

Was gehört in ein Brand Guidelines Template? +
Ein vollständiges Brand Guidelines Template umfasst sieben Kernkapitel: Markenfundament (Mission, Positionierung, Werte), Logo-System, Farbpalette, Typografie, Bildsprache, Brand Voice und Anwendungsbeispiele. Die Reihenfolge ist bewusst — vom Strategischen zum Konkreten. Jedes Kapitel sollte Regeln mit Begründung und visuellen Beispielen kombinieren, damit sie im Alltag tatsächlich angewendet werden.
Wie lang sollten Brand Guidelines sein? +
Es gibt keine universelle Länge. Für kleine Unternehmen reichen oft 10 bis 20 Seiten mit den wichtigsten Regeln. Größere Organisationen mit mehreren Marken oder Produktlinien benötigen deutlich tiefere Systeme. Entscheidend ist nicht der Umfang, sondern die tatsächliche Nutzbarkeit: Guidelines, die niemand öffnet, erfüllen ihren Zweck nicht.
In welchem Format sollten Brand Guidelines erstellt werden? +
Das Format hängt vom Team ab. Ein PDF eignet sich für externe Partner und Druckereien. Für interne Teams sind kollaborative Plattformen wie Notion, Figma, Frontify oder Zeroheight sinnvoller — sie ermöglichen Verlinkung mit Assets, einfache Aktualisierungen und höhere Nutzungsraten. Statische PDFs veralten schnell und werden selten gepflegt.
Wie oft müssen Brand Guidelines aktualisiert werden? +
Mindestens einmal jährlich sollte geprüft werden, ob die Guidelines noch zur gelebten Marke passen. Pflichtaktualisierungen sind nach einem Rebranding, einem Brand Refresh, neuen Produktlinien oder veränderten Zielgruppen notwendig. Sinnvoll ist eine klare Versionierung mit Datum und Begründung jeder Änderung.
Was ist der Unterschied zwischen Brand Guidelines und einem Design System? +
Brand Guidelines dokumentieren die Markenregeln — visuell und kommunikativ. Ein Design System geht weiter: Es enthält zusätzlich Komponenten, Code-Bibliotheken und Interaktionsmuster für digitale Produkte. Brand Guidelines sind die Grundlage, auf der ein Design System aufbaut. Für reine Marketingkommunikation reichen Brand Guidelines in der Regel aus.

Über diesen Artikel

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