Was mit HARO passiert ist — und warum es wichtig ist
HARO wurde 2008 von Peter Shankman gegründet und von Cision übernommen. Ende 2023 stellte Cision das eigenständige HARO-Produkt ein und überführte die Funktionalität in die kostenpflichtige Cision-Plattform. Das kostenlose tägliche E-Mail-Digest, das Journalisten-Anfragen an Experten verteilte, existiert in dieser Form nicht mehr.
Für viele B2B-Websites war HARO ein zentraler Kanal für sogenannte Earned Media Links — Backlinks, die nicht durch Outreach, sondern durch redaktionelle Erwähnung entstehen. Diese Links gelten als besonders wertvoll, weil sie kontextuell platziert sind, von redaktionell kontrollierten Domains stammen und ohne direkte Gegenleistung vergeben werden. Wer das eigene Backlink-Profil analysiert, erkennt schnell, wie viel Gewicht solche Links im Vergleich zu klassischen Outreach-Links haben.
Der Wegfall von HARO ist kein Grund zur Panik — er ist ein Anlass, den Prozess robuster aufzustellen.
HARO Alternativen: Die wichtigsten Plattformen im Überblick
Es gibt heute mehrere Dienste, die das Grundprinzip von HARO übernehmen: Journalisten und Redakteure stellen Anfragen, Experten antworten, und bei Verwendung entsteht ein Backlink. Die Qualität und Reichweite der Plattformen unterscheidet sich erheblich.
Connectively (ehemals HARO)
Cision hat die HARO-Infrastruktur unter dem Namen Connectively weitergeführt. Die Plattform ist kostenpflichtig, bietet aber nach wie vor Zugang zu echten Journalisten-Anfragen. Für Websites, die systematisch auf Medienerwähnungen setzen, ist Connectively ein legitimer Startpunkt — allerdings mit deutlich höherem Aufwand und Kosten als das ursprüngliche HARO.
Featured.com
Featured.com (früher Terkel) ist eine der am stärksten gewachsenen HARO-Alternativen. Das Modell ist ähnlich: Experten erstellen ein Profil, erhalten Anfragen per E-Mail und können Antworten einreichen. Die Plattform hat eine aktive Community und veröffentlicht regelmäßig Roundup-Artikel, in denen Experten zitiert werden. Die Backlinks stammen häufig von der Featured-Domain selbst oder von Partnermedien — die Domain Authority variiert, ist aber in vielen Fällen respektabel.
Qwoted
Qwoted richtet sich stärker an Finanz-, Wirtschafts- und B2B-Journalisten. Die Anfragen sind oft spezifischer und die Qualität der anfragenden Medien tendenziell höher als bei generalistischen Plattformen. Für B2B-Unternehmen in Branchen wie Fintech, SaaS oder Professional Services ist Qwoted besonders relevant.
SourceBottle
SourceBottle ist eine australische Plattform mit internationaler Reichweite. Das kostenlose Modell ist noch intakt, die Anfragen kommen per E-Mail und decken ein breites Themenspektrum ab. Die Qualität der verlinkenden Domains ist uneinheitlicher als bei Qwoted, aber für Nischen mit wenig Wettbewerb durchaus nützlich.
JournoRequest und #PRRequest
Auf X (ehemals Twitter) existiert seit Jahren ein organisches System: Journalisten posten unter den Hashtags #JournoRequest und #PRRequest ihre Anfragen. Wer diese Hashtags beobachtet und schnell reagiert, kann ohne Plattform-Intermediär direkt mit Redakteuren in Kontakt treten. Der Nachteil: Es erfordert aktives Monitoring und schnelle Reaktionszeiten.
Jenseits der Plattformen: Eine strukturierte Strategie für Press Mentions
Wer sich ausschließlich auf Plattformen verlässt, ist immer von deren Fortbestand abhängig — wie das HARO-Ende gezeigt hat. Eine nachhaltige Strategie für Press Mentions kombiniert mehrere Kanäle und baut gleichzeitig direkte Beziehungen zu Journalisten auf.
Eigene Journalisten-Datenbank aufbauen
Der effektivste langfristige Ansatz ist eine eigene, kuratierte Liste von Journalisten und Redakteuren, die über Themen schreiben, für die das eigene Unternehmen Expertise hat. Tools wie Muck Rack, Prowly oder Hunter.io helfen dabei, Kontakte zu identifizieren und zu verwalten. Wer regelmäßig nützliche Inputs liefert — ohne Pitch-Druck — wird zur bevorzugten Quelle.
Digital PR als systematischer Prozess
Press Mentions entstehen nicht nur durch Reaktion auf Anfragen, sondern auch durch proaktive Digital PR im B2B. Dazu gehören datenbasierte Studien, originelle Standpunkte zu Branchenthemen oder gut aufbereitete Statistiken, die Journalisten als Quelle nutzen können. Dieser Ansatz erfordert mehr Vorlaufzeit, liefert aber Links von deutlich höherer Qualität — oft von Domains mit starker Domain Authority.
Sichtbare Expertise als Grundlage
Journalisten zitieren Experten, die sie kennen oder schnell finden können. Wer auf LinkedIn regelmäßig fundierte Beiträge zu Fachthemen veröffentlicht, als Podcast-Gast auftritt oder in Branchenpublikationen schreibt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, kontaktiert zu werden — unabhängig von Plattformen. Guest Posting in B2B-Medien ist dabei ein direkter Weg, Sichtbarkeit und Autorität gleichzeitig aufzubauen.
Was eine gute Experten-Antwort ausmacht
Auf Plattformen wie Featured oder Qwoted entscheidet die Qualität der Antwort darüber, ob man zitiert wird. Journalisten erhalten oft Dutzende Einsendungen — generische Antworten werden ignoriert.
- Konkret und zitierbar: Eine Antwort sollte einen klaren, eigenständigen Standpunkt enthalten — keine Aufzählung von Allgemeinplätzen.
- Kurz und strukturiert: Zwei bis drei Absätze sind in den meisten Fällen ausreichend. Journalisten suchen einen Satz, den sie direkt verwenden können.
- Quellenangaben wo sinnvoll: Wer auf eigene Daten, Studien oder konkrete Erfahrungswerte verweist, erhöht die Glaubwürdigkeit erheblich.
- Schnelle Reaktionszeit: Bei zeitkritischen Anfragen entscheidet oft, wer zuerst antwortet — nicht wer am besten antwortet.
HARO Alternativen im Kontext einer vollständigen Link-Building-Strategie
Press Mentions sind ein Baustein — aber kein vollständiger Ersatz für eine diversifizierte Link-Building-Strategie. Wer ausschließlich auf reaktive Methoden setzt, hat wenig Kontrolle über Tempo und Themenrelevanz der entstehenden Links.
Eine vollständige White-Hat-Strategie, wie sie im Pillar-Artikel zu Link Building im B2B beschrieben wird, kombiniert mehrere Methoden: Neben Press Mentions gehören dazu Broken Link Building, die Skyscraper Technique und strategisches Guest Posting. Jede Methode hat ihre eigene Logik und eignet sich für unterschiedliche Phasen des Aufbaus.
Wichtig ist dabei auch, das entstehende Profil regelmäßig zu überprüfen. Nicht jeder Link, der durch Plattformen entsteht, ist qualitativ hochwertig — wer das Backlink-Profil systematisch analysiert, erkennt frühzeitig, ob Bereinigungsbedarf besteht. In seltenen Fällen kann auch ein Disavow File notwendig werden, wenn minderwertige Links das Profil belasten.
Fazit: HARO war ein Werkzeug, nicht die Strategie
Der Wegfall von HARO als kostenlosem Dienst hat gezeigt, wie riskant es ist, einen einzelnen Kanal zur Grundlage der eigenen Link-Building-Aktivitäten zu machen. Die gute Nachricht: Das Grundprinzip — Experten-Input gegen redaktionelle Erwähnung — funktioniert weiterhin, und es gibt heute mehr Wege, dieses Prinzip umzusetzen als je zuvor.
Plattformen wie Featured.com und Qwoted sind valide Einstiegspunkte. Der nachhaltigere Weg führt jedoch über den Aufbau direkter Journalisten-Beziehungen, sichtbare Fachexpertise und eine proaktive Digital-PR-Strategie. Wer diese Bausteine kombiniert, ist unabhängig von einzelnen Plattformen — und baut ein Backlink-Profil auf, das auch langfristig Bestand hat.