How-To

Wie du eine Internal-Linking-Strategie systematisch planst

Eine durchdachte Internal-Linking-Strategie ist einer der wirkungsvollsten SEO-Hebel, den du vollständig selbst kontrollierst. Sie verteilt Linkjuice gezielt, hilft Google dabei, deine wichtigsten Seiten zu crawlen und zu verstehen, und verbessert die Nutzererfahrung spürbar. Viele Websites verlinken intern jedoch zufällig und verschenken damit enormes Potenzial. In dieser Anleitung lernst du, wie du deine interne Verlinkung von Grund auf strukturiert aufbaust – von der Bestandsaufnahme über die Seitenhierarchie bis zur konkreten Linkvergabe und Erfolgsmessung.
5 Min Lesezeit ·
Inhaltsverzeichnis
  1. Voraussetzungen
  2. Schritt-für-Schritt-Anleitung
  3. Häufige Fehler
  4. Verifizierung

Voraussetzungen

Bevor du mit dem Aufbau deiner Internal-Linking-Strategie beginnst, sollten folgende Dinge vorhanden sein:

  • Vollständiger Content-Überblick: Eine Liste aller veröffentlichten URLs deiner Website (Export aus Google Search Console, Screaming Frog oder deinem CMS).
  • Zugang zu Google Search Console: Um Impressionen, Klicks und gecrawlte Seiten einzusehen.
  • Keyword-Mapping: Jede wichtige Seite sollte einem primären Keyword zugeordnet sein.
  • Crawling-Tool: Screaming Frog SEO Spider (kostenlose Version bis 500 URLs) oder Ahrefs Site Audit.
  • Tabellenkalkulation: Google Sheets oder Excel für die Planung der Linkstruktur.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Schritt 1: Alle URLs crawlen und exportieren

Öffne Screaming Frog SEO Spider, gib deine Domain ein und starte den Crawl. Gehe nach Abschluss zu Reports → Bulk Export → All Inlinks und exportiere die Datei als CSV. Du erhältst eine vollständige Übersicht aller internen Links mit Quell-URL, Ziel-URL und Anchor-Text.

Alternativ kannst du in der Google Search Console unter Links → Interne Links die am häufigsten verlinkten Seiten einsehen. Dieser Export zeigt dir, welche Seiten bereits viel Linkjuice erhalten.

Schritt 2: Seitenhierarchie und Pillar-Struktur definieren

Öffne dein Google Sheet und erstelle drei Spalten: URL, Seitentyp und Priorität. Kategorisiere jede Seite in eine der folgenden Ebenen:

  • Pillar Pages (Ebene 1): Deine wichtigsten Hauptseiten zu breiten Themen (z. B. „/seo-grundlagen/").
  • Cluster Pages (Ebene 2): Detailartikel, die ein Unterthema der Pillar Page behandeln.
  • Support Pages (Ebene 3): Glossareinträge, FAQs, kurze Ratgeber.

Vergib Prioritäten von 1 (höchste) bis 3 (niedrigste). Pillar Pages erhalten immer Priorität 1 und sollten die meisten internen Links empfangen.

Schritt 3: Link-Gap-Analyse durchführen

Erstelle in deinem Sheet eine neue Tabelle mit den Spalten: Quell-URL, Ziel-URL, Anchor-Text, Status. Gehe nun jede Cluster Page durch und prüfe: Verlinkt sie auf ihre zugehörige Pillar Page? Verlinkt die Pillar Page zurück auf alle relevanten Cluster Pages?

Trage fehlende Links als Status: offen ein. In Screaming Frog kannst du unter Reports → Crawl Overview auch Seiten mit nur einem eingehenden internen Link identifizieren – diese „verwaisten" Seiten sind deine wichtigsten Baustellen.

Schritt 4: Anchor-Texte strategisch planen

Für jeden geplanten internen Link legst du in deiner Tabelle den Anchor-Text fest. Halte dich an diese Regeln:

  • Verwende beschreibende, keywordrelevante Anchor-Texte statt generischer Formulierungen wie „hier klicken".
  • Verlinke eine Zielseite nicht immer mit exakt demselben Anchor-Text – nutze natürliche Variationen.
  • Vermeide Keyword-Kannibalisierung: Zwei verschiedene Seiten sollten nicht denselben Anchor-Text für unterschiedliche Ziel-URLs erhalten.

Ein gutes Beispiel für einen internen Link im HTML:

<a href='/seo-grundlagen/keyword-recherche/'>Keyword-Recherche systematisch durchführen</a>

Schritt 5: Pillar Pages mit Cluster Pages verknüpfen

Öffne deine Pillar Page im CMS. Füge am Ende jedes thematischen Abschnitts einen kontextuellen Link zur passenden Cluster Page ein. Platziere Links innerhalb des Fließtextes, nicht nur in Sidebars oder Footern – kontextuelle Links haben laut Google mehr Gewicht.

Gehe dann in jede Cluster Page und stelle sicher, dass sie mindestens einen Link zurück zur Pillar Page enthält. Trage erledigte Links in deiner Tabelle als Status: erledigt ein.

Schritt 6: Verwaiste Seiten anbinden

Filtere in deiner Tabelle alle Seiten heraus, die weniger als zwei eingehende interne Links haben. Suche in deinem Content nach thematisch passenden Stellen, an denen du diese Seiten natürlich verlinken kannst. Nutze dafür die Suchfunktion deines CMS oder führe in Google folgende Suche durch:

site:deinedomain.de „thematisches Keyword der verwaisten Seite"

So findest du schnell bestehende Artikel, die du mit minimalem Aufwand um einen Link ergänzen kannst.

Schritt 7: Linktiefe optimieren

Jede wichtige Seite sollte in maximal drei Klicks von der Startseite erreichbar sein. Prüfe in Screaming Frog unter Reports → Crawl Depth, welche Seiten tiefer als drei Ebenen liegen. Für jede solche Seite: Füge einen direkten Link von einer höher gelegenen Seite (z. B. einer Kategorie- oder Pillar-Page) hinzu, um die Klicktiefe zu reduzieren.

Schritt 8: Interne Links auf Conversion-Seiten prüfen

Conversion-relevante Seiten (Kontakt, Leistungen, Produktseiten) werden häufig zu wenig intern verlinkt. Gehe in Google Search Console zu Links → Interne Links und prüfe, wie viele interne Links deine wichtigsten Conversion-Seiten erhalten. Ziel: Jede Conversion-Seite sollte von mindestens fünf thematisch relevanten Inhaltsseiten verlinkt werden.

Schritt 9: Strategie dokumentieren und Prozess etablieren

Erstelle in deinem Sheet ein drittes Tab mit dem Titel „Prozess". Halte fest: Bei jedem neuen Artikel, der veröffentlicht wird, werden folgende Schritte durchgeführt:

  1. Neue URL in die Haupttabelle eintragen und Seitentyp/Priorität vergeben.
  2. Mindestens zwei ausgehende interne Links in den neuen Artikel einbauen.
  3. Mindestens zwei bestehende Artikel identifizieren, die auf den neuen Artikel verlinken sollen.
  4. Links einbauen und in der Tabelle als erledigt markieren.

Dieser Prozess stellt sicher, dass deine Internal-Linking-Strategie mit jeder Veröffentlichung wächst statt zu veralten.

Häufige Fehler

  • Generische Anchor-Texte: „Hier klicken" oder „mehr erfahren" geben Google keinen Kontext über die Zielseite. Immer beschreibende Anchor-Texte verwenden.
  • Zu viele Links pro Seite: Mehr als 100 interne Links auf einer Seite verwässern den Linkjuice. Fokussiere auf die relevantesten 5–15 Links pro Artikel.
  • Links nur im Footer oder in der Navigation: Diese Links haben weniger SEO-Gewicht als kontextuelle Links im Fließtext. Beide Typen sind wichtig, aber kontextuelle Links sollten dominieren.
  • Keine Verlinkung zurück zur Pillar Page: Cluster Pages müssen auf ihre Pillar Page zurückverlinken – sonst funktioniert das Themen-Cluster nicht.
  • Strategie einmalig umsetzen und vergessen: Internal Linking ist kein einmaliges Projekt. Ohne einen festen Prozess bei neuen Veröffentlichungen veraltet die Struktur schnell.

Verifizierung: So prüfst du den Erfolg

Nach der Umsetzung deiner Internal-Linking-Strategie kannst du den Erfolg auf mehreren Ebenen messen:

  • Google Search Console – Crawl-Abdeckung: Gehe zu Indexierung → Seiten und prüfe, ob zuvor nicht indexierte Seiten nun gecrawlt werden. Eine verbesserte interne Verlinkung führt typischerweise innerhalb von 2–4 Wochen zu einer besseren Crawl-Abdeckung.
  • Screaming Frog – Crawl Depth Report: Starte nach der Umsetzung einen neuen Crawl und vergleiche die Klicktiefe deiner wichtigsten Seiten mit dem Ausgangswert.
  • Google Search Console – Leistung: Beobachte über 4–8 Wochen, ob die Impressionen und Klicks der verlinkten Pillar Pages steigen.
  • Ahrefs oder Semrush – URL Rating: Das URL Rating (UR) deiner Pillar Pages sollte nach konsequenter interner Verlinkung ansteigen, da mehr interner Linkjuice auf diese Seiten fließt.
  • Manuelle Prüfung: Rufe eine deiner Cluster Pages auf und prüfe, ob der Link zur Pillar Page im Fließtext vorhanden und korrekt gesetzt ist. Wiederhole dies stichprobenartig für 10 % deiner Seiten.

Häufige Fragen

Wie viele interne Links sollte eine Seite haben? +
Es gibt keine feste Zahl, aber als Faustregel gilt: nicht mehr als 100 interne Links pro Seite, um den Linkjuice nicht zu stark zu verwässern. Für einen typischen Blogartikel sind 5–15 kontextuelle interne Links ideal. Wichtiger als die Menge ist die Relevanz: Jeder Link sollte dem Leser echten Mehrwert bieten und thematisch zur Zielseite passen.
Was ist der Unterschied zwischen internen und externen Links für SEO? +
Interne Links verbinden Seiten innerhalb derselben Domain und verteilen den sogenannten Linkjuice zwischen deinen eigenen Seiten. Sie helfen Google, die Struktur und Hierarchie deiner Website zu verstehen. Externe Links zeigen auf andere Domains und können Autorität nach außen abgeben, bringen aber auch Vertrauenssignale. Für die interne Verlinkungsstrategie sind ausschließlich interne Links relevant.
Wie oft sollte ich meine Internal-Linking-Strategie überarbeiten? +
Eine vollständige Überprüfung empfiehlt sich alle drei bis sechs Monate. Bei jedem neuen Artikel sollte der interne Verlinkungsprozess jedoch sofort greifen: neue Seite eintragen, ausgehende Links setzen, bestehende Artikel identifizieren, die auf die neue Seite verlinken. So wächst die Strategie kontinuierlich mit deinem Content mit, ohne dass große Nacharbeiten nötig werden.
Schadet es, wenn ich zu viele interne Links auf eine Seite setze? +
Ja, eine Überoptimierung kann schaden. Wenn eine Seite von hunderten interner Links angesteuert wird, während andere Seiten kaum verlinkt sind, wirkt die Struktur unnatürlich. Außerdem verliert jeder einzelne Link an Gewicht, je mehr Links von einer Quellseite ausgehen. Verteile interne Links gleichmäßig und priorisiere thematische Relevanz über bloße Quantität.
Sollte ich nofollow-Attribute bei internen Links verwenden? +
In der Regel nein. Das gezielte Blockieren von internem Linkjuice durch nofollow gilt seit Jahren als schlechte Praxis (früher als „PageRank Sculpting" bekannt). Google empfiehlt, interne Links ohne nofollow zu setzen und stattdessen die Seitenstruktur und Navigation so zu gestalten, dass der Linkjuice natürlich zu den wichtigsten Seiten fließt.

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