Voraussetzungen
Bevor du mit dem Aufbau deiner Internal-Linking-Strategie beginnst, sollten folgende Dinge vorhanden sein:
- Vollständiger Content-Überblick: Eine Liste aller veröffentlichten URLs deiner Website (Export aus Google Search Console, Screaming Frog oder deinem CMS).
- Zugang zu Google Search Console: Um Impressionen, Klicks und gecrawlte Seiten einzusehen.
- Keyword-Mapping: Jede wichtige Seite sollte einem primären Keyword zugeordnet sein.
- Crawling-Tool: Screaming Frog SEO Spider (kostenlose Version bis 500 URLs) oder Ahrefs Site Audit.
- Tabellenkalkulation: Google Sheets oder Excel für die Planung der Linkstruktur.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Alle URLs crawlen und exportieren
Öffne Screaming Frog SEO Spider, gib deine Domain ein und starte den Crawl. Gehe nach Abschluss zu Reports → Bulk Export → All Inlinks und exportiere die Datei als CSV. Du erhältst eine vollständige Übersicht aller internen Links mit Quell-URL, Ziel-URL und Anchor-Text.
Alternativ kannst du in der Google Search Console unter Links → Interne Links die am häufigsten verlinkten Seiten einsehen. Dieser Export zeigt dir, welche Seiten bereits viel Linkjuice erhalten.
Schritt 2: Seitenhierarchie und Pillar-Struktur definieren
Öffne dein Google Sheet und erstelle drei Spalten: URL, Seitentyp und Priorität. Kategorisiere jede Seite in eine der folgenden Ebenen:
- Pillar Pages (Ebene 1): Deine wichtigsten Hauptseiten zu breiten Themen (z. B. „/seo-grundlagen/").
- Cluster Pages (Ebene 2): Detailartikel, die ein Unterthema der Pillar Page behandeln.
- Support Pages (Ebene 3): Glossareinträge, FAQs, kurze Ratgeber.
Vergib Prioritäten von 1 (höchste) bis 3 (niedrigste). Pillar Pages erhalten immer Priorität 1 und sollten die meisten internen Links empfangen.
Schritt 3: Link-Gap-Analyse durchführen
Erstelle in deinem Sheet eine neue Tabelle mit den Spalten: Quell-URL, Ziel-URL, Anchor-Text, Status. Gehe nun jede Cluster Page durch und prüfe: Verlinkt sie auf ihre zugehörige Pillar Page? Verlinkt die Pillar Page zurück auf alle relevanten Cluster Pages?
Trage fehlende Links als Status: offen ein. In Screaming Frog kannst du unter Reports → Crawl Overview auch Seiten mit nur einem eingehenden internen Link identifizieren – diese „verwaisten" Seiten sind deine wichtigsten Baustellen.
Schritt 4: Anchor-Texte strategisch planen
Für jeden geplanten internen Link legst du in deiner Tabelle den Anchor-Text fest. Halte dich an diese Regeln:
- Verwende beschreibende, keywordrelevante Anchor-Texte statt generischer Formulierungen wie „hier klicken".
- Verlinke eine Zielseite nicht immer mit exakt demselben Anchor-Text – nutze natürliche Variationen.
- Vermeide Keyword-Kannibalisierung: Zwei verschiedene Seiten sollten nicht denselben Anchor-Text für unterschiedliche Ziel-URLs erhalten.
Ein gutes Beispiel für einen internen Link im HTML:
<a href='/seo-grundlagen/keyword-recherche/'>Keyword-Recherche systematisch durchführen</a>Schritt 5: Pillar Pages mit Cluster Pages verknüpfen
Öffne deine Pillar Page im CMS. Füge am Ende jedes thematischen Abschnitts einen kontextuellen Link zur passenden Cluster Page ein. Platziere Links innerhalb des Fließtextes, nicht nur in Sidebars oder Footern – kontextuelle Links haben laut Google mehr Gewicht.
Gehe dann in jede Cluster Page und stelle sicher, dass sie mindestens einen Link zurück zur Pillar Page enthält. Trage erledigte Links in deiner Tabelle als Status: erledigt ein.
Schritt 6: Verwaiste Seiten anbinden
Filtere in deiner Tabelle alle Seiten heraus, die weniger als zwei eingehende interne Links haben. Suche in deinem Content nach thematisch passenden Stellen, an denen du diese Seiten natürlich verlinken kannst. Nutze dafür die Suchfunktion deines CMS oder führe in Google folgende Suche durch:
site:deinedomain.de „thematisches Keyword der verwaisten Seite"So findest du schnell bestehende Artikel, die du mit minimalem Aufwand um einen Link ergänzen kannst.
Schritt 7: Linktiefe optimieren
Jede wichtige Seite sollte in maximal drei Klicks von der Startseite erreichbar sein. Prüfe in Screaming Frog unter Reports → Crawl Depth, welche Seiten tiefer als drei Ebenen liegen. Für jede solche Seite: Füge einen direkten Link von einer höher gelegenen Seite (z. B. einer Kategorie- oder Pillar-Page) hinzu, um die Klicktiefe zu reduzieren.
Schritt 8: Interne Links auf Conversion-Seiten prüfen
Conversion-relevante Seiten (Kontakt, Leistungen, Produktseiten) werden häufig zu wenig intern verlinkt. Gehe in Google Search Console zu Links → Interne Links und prüfe, wie viele interne Links deine wichtigsten Conversion-Seiten erhalten. Ziel: Jede Conversion-Seite sollte von mindestens fünf thematisch relevanten Inhaltsseiten verlinkt werden.
Schritt 9: Strategie dokumentieren und Prozess etablieren
Erstelle in deinem Sheet ein drittes Tab mit dem Titel „Prozess". Halte fest: Bei jedem neuen Artikel, der veröffentlicht wird, werden folgende Schritte durchgeführt:
- Neue URL in die Haupttabelle eintragen und Seitentyp/Priorität vergeben.
- Mindestens zwei ausgehende interne Links in den neuen Artikel einbauen.
- Mindestens zwei bestehende Artikel identifizieren, die auf den neuen Artikel verlinken sollen.
- Links einbauen und in der Tabelle als erledigt markieren.
Dieser Prozess stellt sicher, dass deine Internal-Linking-Strategie mit jeder Veröffentlichung wächst statt zu veralten.
Häufige Fehler
- Generische Anchor-Texte: „Hier klicken" oder „mehr erfahren" geben Google keinen Kontext über die Zielseite. Immer beschreibende Anchor-Texte verwenden.
- Zu viele Links pro Seite: Mehr als 100 interne Links auf einer Seite verwässern den Linkjuice. Fokussiere auf die relevantesten 5–15 Links pro Artikel.
- Links nur im Footer oder in der Navigation: Diese Links haben weniger SEO-Gewicht als kontextuelle Links im Fließtext. Beide Typen sind wichtig, aber kontextuelle Links sollten dominieren.
- Keine Verlinkung zurück zur Pillar Page: Cluster Pages müssen auf ihre Pillar Page zurückverlinken – sonst funktioniert das Themen-Cluster nicht.
- Strategie einmalig umsetzen und vergessen: Internal Linking ist kein einmaliges Projekt. Ohne einen festen Prozess bei neuen Veröffentlichungen veraltet die Struktur schnell.
Verifizierung: So prüfst du den Erfolg
Nach der Umsetzung deiner Internal-Linking-Strategie kannst du den Erfolg auf mehreren Ebenen messen:
- Google Search Console – Crawl-Abdeckung: Gehe zu Indexierung → Seiten und prüfe, ob zuvor nicht indexierte Seiten nun gecrawlt werden. Eine verbesserte interne Verlinkung führt typischerweise innerhalb von 2–4 Wochen zu einer besseren Crawl-Abdeckung.
- Screaming Frog – Crawl Depth Report: Starte nach der Umsetzung einen neuen Crawl und vergleiche die Klicktiefe deiner wichtigsten Seiten mit dem Ausgangswert.
- Google Search Console – Leistung: Beobachte über 4–8 Wochen, ob die Impressionen und Klicks der verlinkten Pillar Pages steigen.
- Ahrefs oder Semrush – URL Rating: Das URL Rating (UR) deiner Pillar Pages sollte nach konsequenter interner Verlinkung ansteigen, da mehr interner Linkjuice auf diese Seiten fließt.
- Manuelle Prüfung: Rufe eine deiner Cluster Pages auf und prüfe, ob der Link zur Pillar Page im Fließtext vorhanden und korrekt gesetzt ist. Wiederhole dies stichprobenartig für 10 % deiner Seiten.