Amazon vs. Perplexity: Darf KI deine Website besuchen?
Amazon hat Perplexity verklagt, weil dessen KI-Browser 'Comet' sich mit den Zugangsdaten eines Nutzers bei Amazon einloggt, Produkte durchsucht und Käufe abschließt. Amazon argumentiert: Das ist ein Verstoß gegen den Computer Fraud and Abuse Act (CFAA), weil Amazon nie den KI-Agenten selbst autorisiert hat — nur den menschlichen Nutzer. Ein Bundesrichter gab Amazon zunächst recht und blockierte Comet per einstweiliger Verfügung.
Das Ninth Circuit Court of Appeals hat diese Verfügung jedoch auf Eis gelegt, während Perplexitys Berufung läuft. Dieser prozedurale Schritt ist ungewöhnlich und gilt als Signal, dass das Berufungsgericht Amazons CFAA-Theorie skeptisch gegenübersteht. Oral Arguments sind für den 11. Juni 2026 in Seattle angesetzt. Mozilla und die Electronic Frontier Foundation haben Perplexity mit Amicus Briefs unterstützt.
Der Kern der Rechtsfrage: Wenn ein Nutzer einen KI-Agenten beauftragt, in seinem Namen zu handeln — ist das dann 'autorisierter Zugriff' oder nicht? Perplexity argumentiert mit jahrhundertealtem Agenturrecht: Der Agent handelt im Auftrag des Principals, also ist der Zugriff autorisiert. Amazon sagt: Die ToS gelten nur für natürliche Personen, nicht für Software.
Das Urteil wird Präzedenzfall für alle Websites sein — Shops, Buchungsplattformen, SaaS-Produkte — die in den nächsten 12 Monaten mit KI-Agenten konfrontiert werden. Es geht nicht nur um Perplexity und Amazon, sondern um die grundlegende Frage, wer im KI-Zeitalter als 'Besucher' einer Website gilt.
Was das für deine Website bedeutet:
1. **Prüfe deine Terms of Service auf 'automatisierten Zugriff'**: Viele Standard-ToS verbieten automatisierten Zugriff pauschal. Entscheide jetzt bewusst: Willst du KI-Agenten, die im Auftrag deiner Nutzer handeln, explizit erlauben oder verbieten? Formuliere das klar — vage Formulierungen werden in Zukunft vor Gericht landen.
2. **Überprüfe deine robots.txt auf KI-Agent-Direktiven**: Wenn du KI-Agenten vom Zugriff auf bestimmte Bereiche ausschließen willst (z.B. eingeloggte Bereiche), dokumentiere das in robots.txt und in deinen ToS konsistent. Ein Widerspruch zwischen beiden schwächt deine rechtliche Position.
3. **Für eingeloggte Bereiche: Implementiere technische Signale**: Falls du KI-Agenten in authentifizierten Bereichen blockieren willst, reicht robots.txt nicht — die gilt nur für Crawler, nicht für eingeloggte Sessions. Prüfe, ob du User-Agent-basiertes Blocking oder Session-Validierung brauchst, und dokumentiere diese Entscheidung schriftlich.
4. **Beobachte das Urteil vom 11. Juni 2026**: Das Ninth Circuit Oral Argument ist ein konkreter Termin. Wenn das Gericht Perplexity recht gibt, verlieren Website-Betreiber das CFAA als Werkzeug gegen KI-Agenten in eingeloggten Bereichen. Dann bleibt nur noch Vertragsrecht (ToS) als Schutz — was deutlich schwächer ist. Plane jetzt beide Szenarien.
5. **Kein sofortiger Handlungszwang, aber strategische Relevanz**: Dieser Fall betrifft primär Websites mit Login-Bereichen, E-Commerce und Buchungsplattformen. Reine Content-Websites sind weniger betroffen. Wenn du keinen eingeloggten Bereich hast, ist die unmittelbare Relevanz gering — aber das Präzedenzurteil wird die gesamte KI-Agenten-Rechtslage in den USA prägen.
Original-Artikel auf Search Engine Journal:
Amazon Vs. Perplexity: The CFAA Case That Decides Whether AI Agents Can Visit Your Website via @sejournal, @slobodanmanic ↗Mehr lesen
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